DGG - BRUNSWICK und CORAL

 
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DGG - BRUNSWICK und CORAL

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Gepostet: 07.01.2013 - 23:27 Uhr  ·  #1
Hallo Wolfgang,

eine Frage, die mich schon immer interessiert hat. Warum hat die DGG US-Brunswick-Aufnahmen auf Coral und nicht auf Brunswick herausgebracht ?
Hat übrigens später die TELDEC genauso gemacht, wobei man da sagen muß, die hatten auf den Namen "Brunswick" keine Rechte.
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Re: DGG - BRUNSWICK und CORAL

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Gepostet: 08.01.2013 - 13:23 Uhr  ·  #2
Hi country,

auf deutscher Brunswick erschienen ja bekanntlich nicht nur US-Decca-Sachen, sondern auch Übernahmen der englischen Brunswick sowie Eigenproduktionen wie die Old Merry Tale Jazzband, was für die DGG ja kein Problem war, da man die Markenrechte schon aus Zeiten vor dem zweiten Weltkrieg besaß. Möglicherweise wollte die US-Decca ihr Brunswick-Repertoire nicht in diesen Topf geworfen wissen und daher vereinbart, daß das Coral-Label auch für Brunswick verwendet wird.

Daß das Repertoire, das in USA auf dem Hauptlabel Decca herauskam, bei uns dann auf Brunswick erschien, ist allerdings schwer nachvollziehbar...

Als in den späten 60ern die Vertriebsrechte auf die Teldec übergingen, übernahm diese das Coral-Label und kreierte "Decca American Series" u.a. für die Repertoires der amerikanischen Decca- und Brunswick-Labels, was der amerikanischen Muttergesellschaft sicher besser gefiel, und was der DGG aus naheliegenden Gründen nicht möglich gewesen war. Der DGG blieben die Markenrechte an Brunswick, und sie nutzte sie in den 70ern für die "Brunswick-Silber-Serie": Low-Price-LPs, die mit dem US-Decca-Repertoire nun wirklich nichts zu tun hatten.

Der entscheidende Unterschied zwischen Coral und Brunswick liegt in den Markenrechten für Deutschland: die lagen für Brunswick uneingeschränkt bei der DGG, für Coral hatte die US-Decca die Rechte zweckgebunden an die DGG "verliehen" (später dann an die Teldec).

Gruß, Wolfgang
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Re: DGG - BRUNSWICK und CORAL

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Gepostet: 08.01.2013 - 13:26 Uhr  ·  #3
Da fällt mir auf, daß das wohl besser in einem anderen Thread aufgehoben wäre... bin, forentechnisch gesehen, etwas aus der Übung, sorry... vielleicht können/wollen die Moderatoren den Beitrag verschieben?

Gruß, Wolfgang
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Re: DGG - BRUNSWICK und CORAL

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Gepostet: 08.01.2013 - 14:35 Uhr  ·  #4
Der Zusammenhang zwischen Decca und Brunswick war ja sowieso schon in den 30er Jahren, gelinde gesagt, kompliziert. Die genauen Details habe ich auch nicht parat, aber jedenfalls hat Decca (US) irgendwann nichts mehr mit Decca (UK) zu tun, und ähnlich verhält es sich bei Brunswick. Vor dem 2. Weltkrieg gab es bei der Dt. Grammophon eine zeitweilig enge Zusammenarbeit mit Brunswick (US), daher auch die etablierten Rechte an diesem Markennamen, aber bedeutsamer war wohl damals das bei Brunswick elektrische Aufnahmeverfahren, das 1925 zur DGG kam und trotz technischer Mängel den im devisenschwachen Deutschland wichtigen Vorzug gegenüber dem Western-Electric-Verfahren (benutzt z.B. bei Electrola und Odeon) hatte, keinen teuren Patentlizenzen zu unterliegen. Einige Jahre später (ca.1930?) gab es dann einen Matrizen-Austauschkontrakt mit der britischen Decca, nicht aber mit dem gleichnamigen amerikanischen Konzern. Dessen Produkte wiederum erschienen in England mit dem Brunswick-Label, und auf diesem Umweg dann manchmal auch in Deutschland. Währenddessen führte die US-Wirtschaftskrise zu einer gewaltigen Umwälzung unter den US-Plattenfirmen, bei der Firmen wie Brunswick, Vocalion, Okeh und Columbia ihre Unabhängigkeit verloren und zu bloßen Labelnamen eines übergeordneten Konzerns (ARC) degradiert wurden.

Dies nur zur Andeutung der verworrenen Vorgeschichte (ein juristich und betriebswirtschaflich gebildeter Forscher könnte vermutlich ein dickleibiges Buch darüber schreiben....) - ich nehme an, einige dieser Altverträge waren auch nach 1945 noch (oder wieder) gültig, während andere, z.B. das in den 30ern noch gar nicht existente CORAL-Label betreffend, neu verhandelt werden mußten, und aus dieser jahrzehntelangen Entwicklung ergibt sich die in der Rückschau schrecklich unlogisch wirkende Hin- und Herschieberei gewisser Produktionen von einer Marke zur anderen. Im Einzelfall zu fragen "warum so und nicht anders" führt vermutlich selten zu einer logisch zwingenden Antwort.

Chris
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Re: DGG - BRUNSWICK und CORAL

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Gepostet: 08.01.2013 - 15:14 Uhr  ·  #5
Nochmals, ohne in die Diskussion einsteigen zu wollen,
zusammengefasst:

US-Decca der 50er Jahre = deutsche Brunswick; ganz wenige
Ausnahmen auf deutscher Polydor mit Zusatz "Decca-Aufnahme";

UK-Decca der 60er Jahre = deutsche Decca (DL 25.xxx)

US-Brunswick der 50er Jahre = deutsche Coral (93.xxx)
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Re: DGG - BRUNSWICK und CORAL

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Gepostet: 09.01.2013 - 14:42 Uhr  ·  #6
Den beiden vorhergehenden Beiträgen ist nichts hinzuzufügen... die Situation ist aus heutiger Sicht unübersichtlich, die Ursachen liegen weit in der Vergangenheit, und Logik führt nicht unbedingt zum Ziel... :roll:

Gruß, Wolfgang
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