Joe Medwick (21. Juni 1931 – 12. April 1992) war ein amerikanischer Rhythm-and-Blues-Sänger und Songwriter, der als großer Underground-Held des Texas-Soul und -R&B galt. Ob beim Schreiben oder beim Singen von Liedern – sein Talent war wahrhaft außergewöhnlich. Doch da er dem Nachtleben im berüchtigten „Third Ward“ von Houston den Vorzug vor seiner Karriere gab, blieb sein Name über die Stadtgrenzen hinaus weitgehend unbekannt.
Er wurde am 21. Juni 1931 als Medwick N. Veasey in Houston, Texas, als Sohn von Rayfield Veasey und Renatta Watson geboren. Obwohl er vor allem als Songwriter bekannt war, dessen Lieder häufig von anderen Interpreten gecovert wurden, nahm Veasey – der sowohl privat als auch beruflich unter dem Namen Joe Medwick auftrat – zwischen 1958 und 1988 auch eigenes Material auf und veröffentlichte es (teils unter Pseudonymen) bei verschiedenen Plattenlabels. Als lebenslanger Bewohner Houstons wuchs Veasey im „Third Ward“ auf und besuchte die Yates High School. Berichten zufolge legte er sich schon in jungen Jahren den Spitznamen „Joe“ als Ergänzung zu seinem Vornamen zu – inspiriert durch die landesweite Popularität des Major-League-Baseballspielers Joe Medwick, der in den 1930er Jahren vor allem bei den St. Louis Cardinals für Furore gesorgt hatte. Als Teenager begann Veasey seine Gesangskarriere; er trat etwa vier Jahre lang mit den „Chosen Gospel Singers“ auf, bevor er sich der weltlichen Musik zuwandte.
Nach seinem Militärdienst in Korea mit der US-Armee kehrte er in den „Third Ward“ von Houston zurück. Dort trat er in einem Bluesclub namens „Shady's Playhouse“ auf – oft gemeinsam mit dem Pianisten Teddy Reynolds (der später Bobby Bland begleitete) – und verbrachte zunehmend Zeit damit, Texte und Melodien für andere Bluesmusiker zu schreiben. Laut der Texas State Historical Association war Medwick oft in der Lage, das entstandene Material fast umgehend an lokale Musikproduzenten zu verkaufen. Dabei bestand er selten auf formellen Verträgen, die ihn als Songwriter ausgewiesen hätten; stattdessen zog er es vor, die Lieder direkt gegen Bargeld zu veräußern – und verzichtete damit auf jegliche Rechte an künftigen Tantiemenzahlungen. Unter Musikerkollegen und Brancheninsidern gilt es daher als allgemein bekannt – auch wenn dies nicht immer durch Verlagsunterlagen belegt ist –, dass Medwick viele Songs geschrieben oder mitgeschrieben hat, die für andere Künstler zu Hits wurden, während die Urheberschaft typischerweise jener Person zugeschrieben wurde, welche die Kompositionen gekauft (und anschließend das Urheberrecht daran angemeldet) hatte.
Er verkaufte viele seiner Lieder an Don Robey, den Inhaber der Labels Duke und Peacock, zu deren größten Stars Bobby Bland und Junior Parker zählten. In einigen wenigen Fällen, darunter bei „Further On Up The Road“, wurde Medwick als Mitautor genannt, wenngleich man davon ausgeht, dass er das Lied tatsächlich gemeinsam mit Johnny Copeland und nicht mit Robey geschrieben hatte. Copeland äußerte sich dazu wie folgt: „Joe wickelte das Geschäft mit Mr. Robey ab, genau wie er es bei jedem Song tat. Joe verkaufte Mr. Robey vielleicht fünfhundert Lieder für jeweils zehn oder fünfzehn Dollar...“ In vielen anderen Fällen – etwa bei „I Pity the Fool“, „Turn On Your Love Light“, „Call On Me“, „I Don't Want No Woman“, „Driving Wheel“ und „Cry, Cry, Cry“ – geht man davon aus, dass Medwick die Songs zwar schrieb, Robey sich jedoch die Urheberschaft zuschrieb, oft unter Verwendung seines Pseudonyms Deadric Malone. In einem Interview aus dem Jahr 1990 räumte Medwick ein, dass es unklug gewesen sei, seine Lieder gegen Bargeld zu verkaufen, sprach Robey jedoch von jeglicher Schuld frei. Zudem verkaufte er seine Songs an weitere Musikproduzenten in Houston, darunter Huey Meaux.
In den späten 1950er Jahren nahm Medwick für Robey gelegentlich auch eigene Lieder auf, die jedoch kaum Beachtung fanden. In den 1960er Jahren produzierte er Aufnahmen für kleine lokale Labels wie Paradise, Allboy, East-West, Boogaloo und Pacemaker, wobei er häufig unter verschiedenen Namen auftrat. Es wird vermutet, dass man ihm seine besten Lieder vorenthielt, damit größere Stars wie Bobby Bland – mit dem er sich später überwarf – diese stattdessen aufnehmen konnten. Eine Handvoll Veröffentlichungen bei den Labels Teardrop, Westpark, VE GEO und Kimberly bilden den Rest von Medwicks Single-Veröffentlichungen. 1965 erschien eine Platte von ihm bei Monument, und ein Jahr später nahm er Robert Parkers „Barefootin’“ auf.
Der Alkoholkonsum forderte in den 1970er und 1980er Jahren seinen Tribut, und Medwick geriet während der Disco-Ära völlig in Vergessenheit. 1978 veröffentlichte Huey Meaux unter dem Titel *Why Do Heartaches Pick On Me* eine LP-Zusammenstellung mit vielen von Medwicks Demoaufnahmen. Mitte der 1980er Jahre kehrte der ehemalige Saxophon-Virtuose von Little Richard, Grady Gaines, aus dem Ruhestand zurück und gründete „The Texas Upsetters“, eine R&B-Band im Stil der alten Schule, die bis heute aktiv ist. Medwick wurde als einer von zwei Leadsängern für die Formation engagiert; die zweite Position übernahm sein alter Freund aus Gospel-Zeiten, Big Robert Smith. Gaines unterschrieb bei Black Top Records und veröffentlichte die Alben *Full Gain* (1988) und *Horn Of Plenty*, auf denen Medwick und seine Songs endlich unter seinem richtigen Namen zu hören waren. Das Schicksal schien Medwick endlich wohlgesonnen, doch dann erkrankte er an Leberkrebs und starb am 12. April 1992 in seinem Haus in Houston. Als Militärveteran wurde Veasey auf dem Houston National Cemetery beigesetzt.