Ein Hinweis für den Verwendungszweck kann auch sein, welcher Typ von Nummern auf der Platte verwendet wird. Platten die nur technischen Prüfzwecken dienten, oder um sich innerhalb der Firma von der Brauchbarkeit einer Aufnahme zu überzeugen - also BEVOR über eine Veröffentlichung entschieden war - haben logischerweise i.d.R. KEINE Bestellnummern sondern nur Matrizennummern (so wie auf dem obersten Foto in diesem Thread).
Die Weißmuster mit handschriftlicher oder gestempelter Bestellnummer (z.B. der EMI-Columbia-Test hier) zeigen den nächsten Schritt: Es ist über die Kopplung entschieden worden, eine Bestellnummer wurde den zwei Seiten der geplanten Platte bereits zugeteilt. Natürlich kann es im Einzelfall immer noch sein, dass die Platte trotzdem noch zurückgezogen wurde und diese Bestellnummer es nie in die Kataloge schaffte.
Noch später im "Werdegang der Platte" entstehen dann Presse-/Radio-Muster mit schwarzweißem, aber fertig gesetztem Label, mit demselben Layout wie die normale Erstauflage der Platte, bloß in anderer Farbe und mit einem Zusatzaufdruck "Unverkäuflich" (o.ä.). Die Herstellung dieser Platten dürfte zeitlich in etwa mit der normalen Erstauflage zusammenfallen, das weiße Label ist nur eine zusätzliche Maßnahme, um zu verhindern, dass diese Platten in den Verkauf gelangen (da u.a. für Promo-Exemplare weniger oder gar keine GEMA-Abgabe fällig ist und diese auch nicht auf die offiziellen Verkaufszahlen angerechnet werden). Bei US-Firmen hat man obendrein manchmal das Glück, dass besseres Vinyl für solche Promos und "DJ-Copies" verwendet wurde, um nicht durch verrauschte, kratzige oder "eiernde" Pressungen die Chancen auf gutes Presseecho und reichlichen Radioeinsatz zu versauen. In Europa war die durchschnittliche Preßqualität dagegen so gut, dass ich z.B. bei Teldec- oder DGG-Promos noch nie einen klanglichen Unterschied bemerkt habe.
Chris