TV-Tip: British Blues Explosion bei arte

 
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TV-Tip: British Blues Explosion bei arte

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Gepostet: 18.08.2010 - 02:47 Uhr  ·  #1
Moin moin,

auch wenn heute in Bremen düsteres Herbst-Wetter war: Der SUMMER OF THE SIXTIES ist bei arte noch nicht zu Ende.

Am Donnerstag, den 19.8.2010 gibt es Dokumentation, die ganz vielversprechend klingen:

22:05 Uhr
British Blues Explosion
Als in England der Rock ausbrach


Wiederholungen:
22.08.2010 um 11:00
27.08.2010 um 01:45

Der Film erzählt die Geschichte der "British Blues Explosion", die den britischen Rock'n'Roll und emblematische Bands wie die Rolling Stones und die Beatles hervorbrachte. Der erfolgreiche Fernsehauftritt der Beatles am 9. Februar 1964 in der US-amerikanischen "Ed Sullivan Show" leitet schlagartig die sogenannte "British Invasion" in Amerika ein.

Tommy Steele, Adam Faith und Cliff Richard, die drei wichtigsten Vertreter des britischen Rock 'n' Roll, verloren Anfang der 60er ihr Image des Rebellen. Auch ihr Vorbild Elvis Presley war nach seiner Rückkehr vom Militärdienst nicht mehr der Bürgerschreck von Memphis, sondern entwickelte sich zu einer Stütze des Establishments. Viele britische Jugendliche wurden dieses gezähmten, angepassten Rock 'n' Rolls langsam überdrüssig und wollten wieder die "echte", "wilde" Musik.
Von London über Liverpool bis Newcastle spielten sie amerikanische Blues-Platten (Muddy Waters, Howlin' Wolf, John Lee Hooker) und übten die Stücke eifrig auf der Gitarre ein. Aus dieser Liebe zum amerikanischen Blues entstanden beeindruckend viele Bands unterschiedlicher geografischer und künstlerischer Herkunft, darunter die Rolling Stones, die Animals, die Yardbirds, Herman's Hermits und die Hollies. Sie ehrten nicht nur das Genre, sondern erneuerten es auch für ein junges Publikum und lösten damit eine wahre musikalische Revolution aus. Vor allem die Rolling Stones wurden zu den Anführern dessen, was man später das "Swinging London" nannte - vielleicht weil sie aus London - genauer gesagt aus dem Londoner Vorort Richmond - kamen.
Der Film erzählt die Geschichte der "British Blues Explosion", die den britischen Rock 'n' Roll hervorbrachte und zur "British Invasion" in Amerika führte. Die Dokumentation setzt Ende der 60er Jahre ein und schildert in einer kurzen Rückblende das verschlafene, vom Zweiten Weltkrieg noch wie gelähmte Großbritannien der 50er Jahre.
Anschließend beschreibt sie das musikalische Erwachen, ausgelöst durch den Sound der amerikanischen Bluesmen. Das Herzstück des Films bildet die Blütezeit der Bewegung mit den vielen neu entstehenden Formationen, allen voran die Beatles und die Rolling Stones.
Die Reise endet Mitte der 60er Jahre, als die britischen Gruppen auf USA-Tournee gingen und internationale Stars wurden. Ihr Erfolg machte die amerikanischen Bluesmen einem breiteren Publikum im eigenen Land und dann weltweit bekannt. Danach war alles anders: Vitalität und Unschuld dieser Erneuerer erloschen in den kulturellen Umwälzungen, welche die Festivals von Woodstock und Altamont sowie das Ende der 60er-Jahre-Träume darstellten.

23.05 Uhr
Mods & Rockers

Wiederholungen:
21.08.2010 um 03:50
27.08.2010 um 13:00
31.08.2010 um 05:00
02.09.2010 um 13:00
04.09.2010 um 05:00

Der Film zeichnet ein Generationenporträt der 60er Jahre in England anhand des Konflikts zweier Subkulturen: Mods versus Rockers. Während Mods in schicken Anzügen und aufgemotzten Motorrollern durch die Stadt fuhren, trugen Rocker Lederkleidung, lange Haare und fuhren auf schweren Motorrädern. Mods und Rockers konnten sich nicht riechen und gingen sich aus dem Weg. 1964 kam es jedoch zu einer legendären Auseinandersetzung, die internationale Schlagzeilen machte.

1964: Tausende Jugendliche aus dem ganzen Land liefern sich im südenglischen Badeort Brighton brutale Straßenschlachten. Das Ereignis nimmt Ausmaße an, die sich nicht mehr unter reinem Hooliganismus verbuchen lassen. Die feindlichen Lager bestehen aus Anhängern zweier unterschiedlicher Jugendsubkulturen, den Mods und den Rockern.
In ihrem Konflikt geht es um Kleidung, Reviere, Musikgeschmack und eine diametral entgegengesetzte Lebenseinstellung: Die Rockers erwarten nichts von der Gesellschaft, die sie als Maschine zur Zerstörung ihres Außenseiter-Individualismus verstehen; die Mods hingegen wollen das System mitprägen, sich einen Raum schaffen, in dem sie ihre Codes, ihre Vorlieben und ihre Ästhetik ausleben können.
Die Dokumentation deckt die Hintergründe dieser Eskalation auf und veranschaulicht die Wünsche und Motivationen dieser radikalen Jugend. Außerdem wird erzählt wie sehr die britische Jugend nicht nur die Paradigmen ihrer Eltern über den Haufen warfen, sondern auch die internationale Musikszene und Mode prägten.

0.00 Uhr
One Plus One
Sympathie for the devil
von Jean-Luc Godard (1968)


"One Plus One" ist allegorischer Spielfilm und experimentelles Rolling Stones-Musikvideo zugleich, geschrieben und inszeniert von Regie-Legende Jean-Luc Godard. In seinem sozialkritischen Film hat Godard die Entwicklung des Songs "Sympathy for the Devil" (1968) festgehalten, der die Rolling Stones bei der Arbeit im Studio zeigt und diese montageartig mit absurd anmutenden, radikal gesellschaftskritischen Szenen verknüpft. Der legendäre Stones-Song steht als Metapher für die Aufbruchstimmung der 68er Jahre: Die Musik wechselt sich ab mit einem im Off verlesenen Polit-Porno.
"Sympathy for the Devil", veröffentlicht 1968 auf dem Studioalbum "Beggars Banquet", ist eines der bekanntesten und komplexesten Stücke der Rolling Stones. Der Song entstand während einer über mehrere Tage verteilten Session in den Londoner Olympic Studios. Die Band kam ohne Vorbereitung ins Tonstudio und improvisierte ihr Lied Stück für Stück - 'One Plus One'. Der Songtext, geschrieben von Stones-Sänger Mick Jagger, erzählt vom Wesen des Teufels, der als Mann von Welt bei zentralen historischen Ereignissen mit seiner Anwesenheit glänzte - bei der Kreuzigung Jesus', bei der russischen Oktoberrevolution, beim deutschen Blitzkrieg sowie bei den Kennedy-Morden.
In den 60er Jahren bewegte sich Jean-Luc Godard, auf der Suche nach neuen, subversiven Ausdrucksformen, immer weiter weg vom realistischen Erzählkino hin zu experimentellem Umgang mit Musik, Schrifttafeln und dokumentarischen Sequenzen. Nach verschiedenen Erfahrungen mit Dreharbeiten im Kollektiv, etwa bei seinen Beiträgen zum Vietnamkrieg, war "One Plus One" der ersten Film, in dem Godard seine Intention, "politische Filme politischer Art zu machen", realisieren konnte. Es war der Abschied des Meisters der Nouvelle Vague vom bürgerlichen Kino, zu dem er erst 1980 mit "Rette sich, wer kann " zurückkehren sollte.
Insbesondere nach den Ereignissen des Pariser Mai 1968 provozierte Godard immer wieder durch radikale Gesellschaftskritik in seinen Filmen. Zudem sah sich der eigenwillige Regisseur selbst als Gefangener der in der Filmindustrie herrschenden Zwänge. In "One plus One" stellte er seine negativen Erfahrungen mit einengenden Codes, kulturellen Szenen und gesellschaftlichen Klassen dar und ging davon aus, dass die Reproduktion der künstlerischen Unfreiheiten zu deren revolutionärer Überwindung führe. Durch "One Plus One" - eine Ohrfeige an die kapitalistische Filmindustrie - geriet Godard in Konflikt mit seinen Produzenten. Als Konsequenz und in beiderseitigem Einverständnis sollten seine Werke nicht mehr dem allgemeinen Kinopublikum über den Filmverleih zugänglich gemacht werden. Die Zusammenarbeit des Regisseurs mit den Produzenten, deren Kapital und der gesamten Filmindustrie war beendet, und die Ära der unkommerziellen, "unsichtbaren" Godard-Filme begann.
Michael Pearson, der Produzent von "One Plus One", brachte den Film später unter dem Titel "Sympathy for the Devil" heraus, kürzte die Flaggen-Einstellung am Schluss und ersetzte sie durch das fertige Stones-Stück. ARTE zeigt die Originalfassung des einzigartigen Godard-Stones-Meisterwerks "One Plus One", in der das unfertige Lied für die fragmentarische Realität steht - eine fiktionale Trash-Doku musikalischer wie konzeptioneller Art.

Und wer´s noch nicht gesehen hat: Um 2.00 Uhr wird die Doku Brigitte Bardot die Unbezähmbare wiederholt, ein schönes Porträt über die Sängerin B.B.

Thorsten
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