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Sugar Chile Robinson 1949–1952
Die Geschichte der Unterhaltung im 20. Jahrhundert ist gespickt mit Wunderkindern: von Shirley Temple in den 1930 er Jahren über Toni Harper in den 1940 er Jahren bis hin zu Frankie Lymon in den 1950 er Jahren. Obwohl diese jungen Künstler frühreif und talentiert waren, bekamen sie meist nur minderwertiges, kindisches Material präsentiert, das zwar damals vielleicht niedlich war, aber in der Regel nur kurzzeitig für Abwechslung sorgte und schnell langweilig wurde. Manche konnten den raschen Popularitätsverlust nicht verkraften und griffen zu Alkohol oder Drogen, während andere sich würdevoll zurückzogen und ihre Energie in andere Bereiche investierten. Einer von ihnen war das kleine Energiebündel aus Detroit, "Sugar Chile" Robinson.
Frankie Robinson, 1940 in Detroit als jüngstes von sechs Kindern geboren, begann schon als Kleinkind auf dem Familienklavier zu trommeln. Angeblich spielte er bereits mit zwei Jahren eine erkennbare Version von Erskine Hawkins' “Tuxedo Junction“. 1945 wurde er vom Pianisten und Bandleader Frankie Carle entdeckt. Innerhalb eines Jahres spielte er auf einer Party für Präsident Harry Truman, trat als Gastmusiker mit Lionel Hamptons Orchester auf und sang den Titelsong in der MGM-Romantikkomödie “No Leave, No Love“ von 1946.
Seine ersten Platten für das Capitol-Label nahm er jedoch erst im Juli 1949 auf. Zusammen mit Leonard Bibbs am Bass und dem Schlagzeuger Zutty Singleton schafften es seine ersten beiden Veröffentlichungen Ende 1949 in die Billboard R&B-Charts. “Numbers Boogie“ erreichte # 4, während “Caldonia (What Makes Your Big Head So Hard)“ nur # 14 belegte.
Seine anschließende Tournee brach überall Kassenrekorde, und sein Auftritt im Regal Theatre in Chicago gilt als die größte einwöchige Attraktion in der gesamten Geschichte des Theaters und übertraf mühelos die Jazz-Größen der damaligen Zeit wie Count Basie und Duke Ellington.
Robinson tourte 1950 mit Basie und drehte im August desselben Jahres in Hollywood mit dem Basie Sextet und Billie Holiday einen gefeierten musikalischen Kurzfilm, um seine Hits zu präsentieren.
In der Weihnachtszeit 1950 erschien Sugar Chiles erste europäische Veröffentlichung, und “Christmas Boogie“ mit der B-Seite “Rudolph The Red-Nosed Reindeer“ verkaufte sich so gut, dass er 1951 eine Europatournee anstieß, die unter anderem begeisterte Kritiken für seinen Auftritt im London Palladium einbrachte.
Er war 1951 ein großer Hit im US-Radio und Fernsehen, und dann, noch im Vorpubertätsalter, war Robinsons Karriere plötzlich beendet. Seine letzte Single erschien im August 1952, kurz darauf gefolgt von einer Boogie Woogie-Kompilation mit vielen seiner Aufnahmen aus dem Jahr 1952.
In den Fachzeitschriften jener Zeit finden sich noch ein, zwei Berichte über ihn – im August 1954 soll er im Chicagoer Blue Note mit Gerry Mulligan (!) gespielt haben – und dann: Stille! Was war geschehen? Hatte er einen Stimmbruch erlitten? Hatte der Reiz eines neunjährigen Boogie-Virtuosen mit zwölf Jahren plötzlich nachgelassen? Wurde er etwa als kleinwüchsiger Jugendlicher entlarvt?
Nun wurde bekannt gegeben, dass der 62-jährige "Sugar Chile" Robinson in Detroit wiederentdeckt wurde und aus dem Ruhestand zurückkehrt, um wieder Klavier zu spielen.
Abgesehen von einigen Radiomitschnitten und Filmmusiken präsentiert diese CD Robinsons komplettes Repertoire aus knapp drei Jahren. Wenn er tatsächlich erst neun Jahre alt war, waren seine Darbietungen bei seiner ersten Session, wie etwa “Vooey, Vooey Vay“, “Caldonia“ und “Numbers Boogie“, schlichtweg erstaunlich, obwohl letzteres Stück gegen Ende etwas an Schwung verlor. Wie andere Kinderstars, etwa Toni Harper, musste auch Robinson oft mit kindlichem Material vorliebnehmen, doch selbst Kinderlied-Klischees wie “Sticks And Stones“, “Christmas Boogie“ und “Baby Blues“ (Rock-A-Bye) wurden zu unterhaltsamen Darbietungen mit modernen und cleveren Einfällen. Der Junge schlug sich bei den wenigen Instrumentalstücken, insbesondere bei “Lazy Boy's Boogie“, außergewöhnlich gut und wechselte zur Abwechslung gelegentlich zur Orgel oder Celesta. Die Begleitmusiker spielten meist eine unterstützende Rolle, doch bei “Go, Boy, Go“, “Whop, Whop“ und “Frustration Boogie“ überzeugte der Schlagzeuger mit seinem hervorragenden Besenspiel, und bei der “Baby Blues“-Session war zudem ein mitreißender Tenorsaxophonist zu hören.
Los Angeles, July 28, 1949.
SUGAR CHILE ROBINSON: Frank "Sugar Chile" Robinson piano-vocal acc. by Leonard Bibb-b/Zutty Singleton-d.
4722-1 Vooey, Vooey Vay Capitol 57-70056
4723-1 After School Blues Capitol 57-70037
4724.1 Numbers Boogie Capitol 57-70037
4725-1 Caldonia (What Makes Your Big Head So Hard) Capitol 57-70056
CAPITOL
09 49....54-70037.... SUGAR CHILE ROBINSON..After School Blues (45-4723) Z/Numbers Boogie (45-4724) Y
1949 R&B 4 Sugar Chile Robinson Numbers Boogie Capitol 70037 Vernon White 01.10.1949
11 49....54-70056.... SUGAR CHILE ROBINSON..Caldonia (What Makes Your Big Head So Hard) (45-4725) Z/Vooey Vooey Vay (45 4722) Y
1949 R&B 14 Sugar Chile Robinson Caldonia Capitol 70056 17.12.1949
Los Angeles, January 24, 1950.
: Sugar Chile Robinson piano-vocal acc. by Jimmy Richardson-b/Red Saunders-d.
5502-1 Say, Little Girl Capitol 897
5503- SUGAR CHILE ROBINSON 2 Bouncing Ball Boogie Capitol 897
5504-2 Rudolph, The Red-Nosed Reindeer Capitol 1259
5505-2 Christmas Boogie Capitol 1259
Los Angeles, January 25, 1950.
SUGAR CHILE ROBINSON: same
5506-1 Sticks And Stones Capitol 1060
5507-2 The Bases Were Loaded Capitol 1060
5508-1 Broken-Down Piano Capitol 1386
5509-1 I'll Eat My Spinach Capitol 1386
CAPITOL
03 50....F897.... SUGAR CHILE ROBINSON..Say, Little Girl (45-5502) Y/Bouncing Ball Boogie (45-5503) Z
05 50....F1060.... SUGAR CHILE ROBINSON..Sticks And Stones (45-5506) Z/The Bases Were Loaded (45-5507) Y
10 50....F1259.... SUGAR "CHILE" ROBINSON..Rudolph The Red-Nosed Reindeer (45 5504) Y/Christmas Boogie (45 5505) Z
12 50....F32030..CASF 3085....
SUGAR "CHILE" ROBINSON..Rudolph The Red-Nosed Reindeer (45 5504)/Christmas Boogie (45-5505)
1950 trat er mit Count Basie auf und wirkte bei dem Kurzfilm 'Sugar Chile' Robinson, Billie Holiday, Count Basie and His Sextet mit. Er trat zudem im Fernsehfilm “The Star-Spangled Revue“ (Regie: Max Liebman) auf und gastierte in Fernsehshows wie “The Colgate Comedy Hour“ und “Texaco Star Theatre Starring Milton Berle“.
New York, April 9, 1951.
SUGAR CHILE ROBINSON: Sugar Chile Robinson piano-vocal acc. by is/b/d.
6287 Baby Blues Capitol 1526
6288 The Donkey Song Capitol 1526
6289 The Hunkie Man (The Ice Cream Man) Capitol 1719
6290 The Green Gross Grows All Around Capitol 1719
CAPITOL
03 51....F1386.... SUGAR CHILE ROBINSON..Broken-Down Piano (45-5508) Y/I'll Eat My Spinach (45-5509) Z
05 51....F1526.... SUGAR CHILE ROBINSON..Baby Blues (45-6287) Z/The Donkey Song (45-6288) Y
07 51....F1719.... SUGAR CHILE ROBINSON..The Hunkie Man (The Ice Cream Man) (45-6289)Y/
The Green Grass Grows All Around (45-6290) Z
1952 ging er in Großbritannien auf eine zehnwöchige Tournee, u.a. mit einem Auftritt im London Palladium.
Los Angeles, June 27, 1952.
SUGAR CHILE ROBINSON: Sugar Chile Robinson piano-vocal acc. by b/d.
10293 Whop, Whop Capitol 2197
10294 Lazy Boy's Boogie -instr. Capitol T589 (LP)
10295 Frustration Boogie Capitol T589 (LP)
10296 Go, Boy, Go Capitol T589 (LP)
Los Angeles, June 28, 1952.
SUGAR CHILE ROBINSON: Sugar Chile Robinson piano-organ-celeste-vocal acc. by b/d.
10297 Detroit Rag -instr. -org Capitol T589 (LP)
10298 St. Louis Blues .instr. -org Capitol T589 (LP)
10299 Yancey Special -instr. -p Capitol T589 (LP)
10300 Hum-Drum Boogie -cel Capitol 2197
CAPITOL
08 52....F2197.... SUGAR CHILE ROBINSON..Hum-Drum Boogie (45-10300)/Whop, Whop (45-10293)
1952 beendete er seine Aufnahmetätigkeit und entschied sich, seine Schulausbildung fortzusetzen.
In Deutschland:
Sugar Chile Robinson auf einer alten deutschen Telefunken-Capitol-Schellack. In Westdeutschland veröffentlichte Telefunken 1951/52 Robinsons 78er “After School Blues“/“Numbers Boogie“ (Sugar Chile Robinson mit seinen Rhythmikern, C-80094) sowie “Bouncin’ Ball Boogie“ und “Go Boy Go“.
Bis 1956 trat er noch mehrmals gelegentlich als Jazzmusiker in Erscheinung, unter seinem richtigen Namen Frank Robinson spielte er mit Gerry Mulligan, bevor er seine Musikerkarriere ganz aufgab. Er studierte Geschichte am Olivet College und Psychologie am Detroit Institute of Technology. In den 1960 er Jahren arbeitete er beim Fernsehsender WGPR-TV, betreute Plattenlabel in Detroit und eröffnete ein Aufnahmestudio.
In späteren Jahren unternahm er einen Comeback-Versuch mit Unterstützung der American Music Research Foundation. 2002 trat er bei einem Konzert in Detroit auf; 2007 bei einem britischen Rock’n’Roll-Festival. 2013 war er Gast in der “Dr Boogie Show“.
Dave Penny – November 2002/Gerd Miller-Disco
Gruß
Heino
Gruß
Heino