Hallo,
bei meinen Blues-Recherchen um Jazz Gillum bin ich auf den Pianisten Bob Call gestoßen, der mich wiederum zu
James "Boodle It" Wiggins geführt hat.
James "Boodle It" Wiggins war ein US-amerikanischer Blues-Sänger und Musiker. Zu seinen bekanntesten Aufnahmen zählten “Keep Knockin' An You Can't Get In“ – einem Vorläufer sowohl von “Keep A-Knockin'“ als auch von “I Hear You Knocking“ – sowie seine Versionen der Titel “Corrine, Corrina“ und “Shave 'Em Dry“, wenngleich diese unter leicht abgewandelten Titeln veröffentlicht wurden.
Über sein Leben abseits der Musik ist nur wenig bekannt. Es wird allgemein angenommen, dass Wiggins im US-Bundesstaat Louisiana geboren wurde; in mehreren Quellen wird er dementsprechend geführt. Sein Spitzname „Boodle It“ scheint auf eine Verbindung zu einem bestimmten Tanzstil zurückzugehen, wenngleich dem Namen auch eine sexuelle Konnotation zugeschrieben wurde. Man geht davon aus, dass Wiggins in Dallas von R. L. Ashford entdeckt wurde, einem Talentscout für Paramount Records.
In der Folgezeit nahm Wiggins zwischen 1928 und 1929 insgesamt acht Titel für Paramount auf, verteilt auf drei separate Aufnahmesitzungen.
Wiggins nahm insgesamt acht Stücke auf, die noch zu seinen Lebzeiten von Paramount Records veröffentlicht wurden, sowie sechs weitere Titel, die erst zu einem späteren Zeitpunkt erschienen. Letztere sechs Aufnahmen waren ursprünglich für Vocalion Records oder Brunswick Records vorgesehen.
Als Begleitmusiker bei seinen Aufnahmen werden – je nach Titel – verschiedene Pianisten vermutet, darunter Bob Call, Blind Leroy Garnett und Charlie Spand.
Aus seiner ersten Aufnahmesitzung ging das Stück “Keep Knockin' An You Can't Get In“ hervor; es wurde um Februar 1928 in Chicago/Illinois eingespielt und noch im selben Jahr von Paramount (Katalognummer 12662) veröffentlicht. Auf dieser Aufnahme übernahm Wiggins sowohl den Gesang als auch das Spiel auf der Kazoo. Als Pianist auf diesem Titel wird Bob Call vermutet, der einige Zeit später auch als Begleitmusiker für Big Bill Broonzy, Jazz Gillum, Robert Nighthawk und Arbee Stidham tätig war.
In seiner Autobiografie “Born With The Blues“ beanspruchte Perry Bradford die Urheberschaft an dem Lied für sich; die erste nachweislich aufgenommene Version scheint jedoch jene von Wiggins zu sein. Später wurden Variationen des Stücks von Lil Johnson im Jahr 1935 und von Louis Jordan im Jahr 1939 eingespielt. Dem ‘Rolling Stone‘ zufolge hatte Jordan die Versionen von James Wiggins und Kokomo Arnold gehört. “Keep Knockin' An You Can't Get In“ gilt als Vorläufer sowohl von “Keep A-Knockin'“ als auch von “I Hear You Knocking“. Der andere Titel, der während derselben Aufnahmesitzung eingespielt wurde, war “Evil Woman Blues“.
Am 13. und 14. November 1928 fanden in Chicago zwei weitere Aufnahmesitzungen mit Wiggins statt. Aus diesen gingen sechs unveröffentlichte Titel hervor. Diese waren ursprünglich für Vocalion Records oder Brunswick Records vorgesehen.
Am 12. Oktober 1929 nahm Wiggins in Richmond/Indiana vier weitere Titel für Paramount auf – “Forty-Four Blues“, “Frisco Bound“, “My Lovin' Blues“ und “Weary Heart Blues“ –, sowie zwei weitere Titel noch im selben Monat in Grafton/Wisconsin.
Paramount schaltete zwei Anzeigen in der Zeitung ‘The Chicago Defender‘: die erste am 30. November 1928 (zur Bewerbung von “Keep A Knockin' An You Can't Get In“ mit der B-Seite “Evil Woman Blues“) und die zweite am 25. Januar 1930 (für “Weary Heart Blues“ mit der B-Seite “My Lovin' Blues“). Blind Leroy Garnett übernahm die Klavierbegleitung bei den vier in Richmond aufgenommenen Titeln.
In Grafton hingegen nahm Wiggins seine Versionen von “Gotta Shave 'Em Dry“ und “Corrine Corrina Blues“ auf – begleitet im Boogie-Woogie-Stil vom Pianisten Charlie Spand. Auch diese Titel wurden von Paramount veröffentlicht (Katalognummer 12916).
In jüngerer Zeit berichtete das Magazin ‘Blues Unlimited‘ in einem Artikel mit dem Titel “A Handful of Keys: Boodle It One Time?“, dass Bob Hall und Richard Noblett Wiggins’ Aufnahmen analysiert und dabei Zweifel an den bislang allgemein akzeptierten Identifizierungen der begleitenden Pianisten geäußert hätten. Sie bestätigten zwar Garnetts Mitwirkung bei den Titeln “My Lovin' Blues“ und “Weary Heart Blues“, stellten jedoch infrage, ob er tatsächlich auch bei “Forty-Four Blues“ am Klavier saß. Ebenso einigte man sich auf Bob Call als Pianisten für “Evil Woman Woman Blues“, jedoch nicht zwangsläufig für “Keep Knockin' An You Can't Get In“. Für Wiggins’ letzte Aufnahmen – “Corinne Corinna“ und “Gotta Shave 'Em Dry“ – war Charlie Spand vorgeschlagen worden, doch wurden diesbezüglich keine endgültigen Schlüsse gezogen. Bob Call wurde hingegen bei den beiden unveröffentlichten Wiggins-Sessions identifiziert.
Wiggins überlebte 1929 in Bogalusa/Louisiana einen Lynchversuch, nachdem sich eine weiße Frau daran gestört hatte, dass er ihr auf einer öffentlichen Straße nicht aus dem Weg ging. Ein lokaler Mob schoss viermal auf ihn und lynchierte ihn; dennoch überstand er diese Tortur. Es wird angenommen, dass Wiggins um das Jahr 1930 starb, wenngleich Einzelheiten dazu unbekannt sind.
Mehrere seiner Titel sind auf diversen Kompilationsalben erschienen, darunter “Boogie Woogie & Barrelhouse Piano Vol. 2 (1928–1930)“ (Document Records, 1992).
Textliche Parallelen
Wie einige andere Bluesmusiker neigte auch Wiggins dazu, Teile seiner Liedtexte wiederzuverwenden; so wurden die Zeilen “I wake up every morning...“ und “I woke up this morning...“ in drei seiner Songs identifiziert: in “Evil Woman Blues“ und “Forty-Four Blues“ sowie – in der letztgenannten Abwandlung – in “Frisco Bound“.
Gruß
Heino
bei meinen Blues-Recherchen um Jazz Gillum bin ich auf den Pianisten Bob Call gestoßen, der mich wiederum zu
James "Boodle It" Wiggins geführt hat.
James "Boodle It" Wiggins war ein US-amerikanischer Blues-Sänger und Musiker. Zu seinen bekanntesten Aufnahmen zählten “Keep Knockin' An You Can't Get In“ – einem Vorläufer sowohl von “Keep A-Knockin'“ als auch von “I Hear You Knocking“ – sowie seine Versionen der Titel “Corrine, Corrina“ und “Shave 'Em Dry“, wenngleich diese unter leicht abgewandelten Titeln veröffentlicht wurden.
Über sein Leben abseits der Musik ist nur wenig bekannt. Es wird allgemein angenommen, dass Wiggins im US-Bundesstaat Louisiana geboren wurde; in mehreren Quellen wird er dementsprechend geführt. Sein Spitzname „Boodle It“ scheint auf eine Verbindung zu einem bestimmten Tanzstil zurückzugehen, wenngleich dem Namen auch eine sexuelle Konnotation zugeschrieben wurde. Man geht davon aus, dass Wiggins in Dallas von R. L. Ashford entdeckt wurde, einem Talentscout für Paramount Records.
In der Folgezeit nahm Wiggins zwischen 1928 und 1929 insgesamt acht Titel für Paramount auf, verteilt auf drei separate Aufnahmesitzungen.
Wiggins nahm insgesamt acht Stücke auf, die noch zu seinen Lebzeiten von Paramount Records veröffentlicht wurden, sowie sechs weitere Titel, die erst zu einem späteren Zeitpunkt erschienen. Letztere sechs Aufnahmen waren ursprünglich für Vocalion Records oder Brunswick Records vorgesehen.
Als Begleitmusiker bei seinen Aufnahmen werden – je nach Titel – verschiedene Pianisten vermutet, darunter Bob Call, Blind Leroy Garnett und Charlie Spand.
Aus seiner ersten Aufnahmesitzung ging das Stück “Keep Knockin' An You Can't Get In“ hervor; es wurde um Februar 1928 in Chicago/Illinois eingespielt und noch im selben Jahr von Paramount (Katalognummer 12662) veröffentlicht. Auf dieser Aufnahme übernahm Wiggins sowohl den Gesang als auch das Spiel auf der Kazoo. Als Pianist auf diesem Titel wird Bob Call vermutet, der einige Zeit später auch als Begleitmusiker für Big Bill Broonzy, Jazz Gillum, Robert Nighthawk und Arbee Stidham tätig war.
In seiner Autobiografie “Born With The Blues“ beanspruchte Perry Bradford die Urheberschaft an dem Lied für sich; die erste nachweislich aufgenommene Version scheint jedoch jene von Wiggins zu sein. Später wurden Variationen des Stücks von Lil Johnson im Jahr 1935 und von Louis Jordan im Jahr 1939 eingespielt. Dem ‘Rolling Stone‘ zufolge hatte Jordan die Versionen von James Wiggins und Kokomo Arnold gehört. “Keep Knockin' An You Can't Get In“ gilt als Vorläufer sowohl von “Keep A-Knockin'“ als auch von “I Hear You Knocking“. Der andere Titel, der während derselben Aufnahmesitzung eingespielt wurde, war “Evil Woman Blues“.
Am 13. und 14. November 1928 fanden in Chicago zwei weitere Aufnahmesitzungen mit Wiggins statt. Aus diesen gingen sechs unveröffentlichte Titel hervor. Diese waren ursprünglich für Vocalion Records oder Brunswick Records vorgesehen.
Am 12. Oktober 1929 nahm Wiggins in Richmond/Indiana vier weitere Titel für Paramount auf – “Forty-Four Blues“, “Frisco Bound“, “My Lovin' Blues“ und “Weary Heart Blues“ –, sowie zwei weitere Titel noch im selben Monat in Grafton/Wisconsin.
Paramount schaltete zwei Anzeigen in der Zeitung ‘The Chicago Defender‘: die erste am 30. November 1928 (zur Bewerbung von “Keep A Knockin' An You Can't Get In“ mit der B-Seite “Evil Woman Blues“) und die zweite am 25. Januar 1930 (für “Weary Heart Blues“ mit der B-Seite “My Lovin' Blues“). Blind Leroy Garnett übernahm die Klavierbegleitung bei den vier in Richmond aufgenommenen Titeln.
In Grafton hingegen nahm Wiggins seine Versionen von “Gotta Shave 'Em Dry“ und “Corrine Corrina Blues“ auf – begleitet im Boogie-Woogie-Stil vom Pianisten Charlie Spand. Auch diese Titel wurden von Paramount veröffentlicht (Katalognummer 12916).
In jüngerer Zeit berichtete das Magazin ‘Blues Unlimited‘ in einem Artikel mit dem Titel “A Handful of Keys: Boodle It One Time?“, dass Bob Hall und Richard Noblett Wiggins’ Aufnahmen analysiert und dabei Zweifel an den bislang allgemein akzeptierten Identifizierungen der begleitenden Pianisten geäußert hätten. Sie bestätigten zwar Garnetts Mitwirkung bei den Titeln “My Lovin' Blues“ und “Weary Heart Blues“, stellten jedoch infrage, ob er tatsächlich auch bei “Forty-Four Blues“ am Klavier saß. Ebenso einigte man sich auf Bob Call als Pianisten für “Evil Woman Woman Blues“, jedoch nicht zwangsläufig für “Keep Knockin' An You Can't Get In“. Für Wiggins’ letzte Aufnahmen – “Corinne Corinna“ und “Gotta Shave 'Em Dry“ – war Charlie Spand vorgeschlagen worden, doch wurden diesbezüglich keine endgültigen Schlüsse gezogen. Bob Call wurde hingegen bei den beiden unveröffentlichten Wiggins-Sessions identifiziert.
Wiggins überlebte 1929 in Bogalusa/Louisiana einen Lynchversuch, nachdem sich eine weiße Frau daran gestört hatte, dass er ihr auf einer öffentlichen Straße nicht aus dem Weg ging. Ein lokaler Mob schoss viermal auf ihn und lynchierte ihn; dennoch überstand er diese Tortur. Es wird angenommen, dass Wiggins um das Jahr 1930 starb, wenngleich Einzelheiten dazu unbekannt sind.
Mehrere seiner Titel sind auf diversen Kompilationsalben erschienen, darunter “Boogie Woogie & Barrelhouse Piano Vol. 2 (1928–1930)“ (Document Records, 1992).
Textliche Parallelen
Wie einige andere Bluesmusiker neigte auch Wiggins dazu, Teile seiner Liedtexte wiederzuverwenden; so wurden die Zeilen “I wake up every morning...“ und “I woke up this morning...“ in drei seiner Songs identifiziert: in “Evil Woman Blues“ und “Forty-Four Blues“ sowie – in der letztgenannten Abwandlung – in “Frisco Bound“.
Gruß
Heino
Anhänge an diesem Beitrag
| Dateiname: | 2026-05-27 16_53_05- … Word.jpg |
| Dateigröße: | 55.81 KB |
| Titel: | |
| Heruntergeladen: | 17 |
| Dateiname: | 2026-05-27 16_54_43- … Word.jpg |
| Dateigröße: | 43.06 KB |
| Titel: | |
| Heruntergeladen: | 17 |
| Dateiname: | 2026-05-27 16_55_02- … Word.jpg |
| Dateigröße: | 46.32 KB |
| Titel: | |
| Heruntergeladen: | 17 |
| Dateiname: | 2026-05-27 16_55_17- … Word.jpg |
| Dateigröße: | 79.06 KB |
| Titel: | |
| Heruntergeladen: | 19 |
| Dateiname: | 2026-05-27 16_55_29- … Word.jpg |
| Dateigröße: | 94.22 KB |
| Titel: | |
| Heruntergeladen: | 17 |
| Dateiname: | 2026-05-27 16_53_47- … Word.jpg |
| Dateigröße: | 28.9 KB |
| Titel: | |
| Heruntergeladen: | 18 |