WERNER VOSS RRM-004, 3. SEPTEMBER 1974
Thema: Ronnie Hawkins
01 Ronnie Hawkins Forty Days 2.16 Roulette 4154 1959
02 Chuck Berry Thirty Days 2.27 Chess 1610 1955
03 Young Jessie Mary Lou 2.58 Modern 961 1955
04 Ronnie Hawkins Mary Lou 2.07 Roulette 4177 1959
05 Ronnie Hawkins Need Your Lovin’ 2.21 Roulette 4177 1959
06 Ronnie Hawkins Oh Sugar 2.14 Roulette LP SR-25078 1959
07 Ronnie Hawkins Wild Little Willie 2.14 Roulette LP SR-25078 1959
08 Billy Emerson Red Hot 2.25 Sun 219 1955
09 Ronnie Hawkins My Gal Is Red Hot 1.48 Roulette LP SR-25078 1959
10 Ronnie Hawkins The Ballad Of Caryl Chessman 2.35 Roulette 4231 1960
11 Ronnie Hawkins Weary Blues 2.24 Roulette LP SR-25137 1961
12 Ronnie Hawkins Who Do You Love 2.39 Roulette 4483 1963
13 Ronnie Hawkins One More Night 2.22 Cotillion LP SD-9019 1970
14 Ronnie Hawkins Bony Moronie 2.21 Monument LP KZ-31330 1972
15 Ronnie Hawkins Dizzy Miss Lizzy (ausgeblendet) 0.53 Roulette LP SR-25078 1959
WORTPROTOKOLL
K.W.: Guten Tag, liebe Zuhörer. Ich hab’s gestern schon angekündigt. Heute spielt Werner Voss wieder ganz alte Sachen. Ja, schieß mal los, Werner.
W.V.: Ja, und die heutige Sendung möchte ich einem einzigen Sänger widmen, der es in Amerika nie so richtig schaffte, bei uns aber Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre durch nur zwei Aufnahmen legendären Ruhm erlangte. Hier ist eine der beiden Aufnahmen. Der Name des Sängers: Ronnie Hawkins.
Das waren also Ronnie Hawkins und seine Hawks mit „Forty Days“ aus April 1959, ihrer ersten Single-Platte in den USA. „Forty Days“ ist eine Cover-Version von Chuck Berry’s „Thirty Days“. Ronnie Hawkins nahm mehr als ein Dutzend Cover-Versionen bekannter Songs von schwarzen Interpreten auf, jedoch nicht mit der Absicht, den schwarzen Künstlern den Erfolg zu stehlen, wie es ja in der Zeit 1953 bis etwa 1957 gang und gäbe war. Hawkins, am 10. Januar 1935 in Huntsville, Arkansas, also einem Südstaat der USA, geboren, hat von Kindheit an zu Schwarzen und zu ihrer Musik gehabt, und seine erste Combo 1952 bestand aus vier schwarzen Musikern. Seine Cover-Versionen sind deshalb auch keine einfallslosen weißen Kopien schwarzer Songs, sondern ehrliche Nachinterpretationen in seiner natürlichen Ausdrucksweise, die sich aus der gegenseitigen Beeinflussung schwarzer und weißer Musikstile in den Südstaaten entwickelt hatte. Das Ergebnis solcher gegenseitigen Beeinflussung war 1954 von Elvis Presley erstmals erfolgreich auf Schallplatten erschienen. Man nennt diese Rock ‚n‘ Roll- Stilart Rockabilly oder Country-Rock. Ronnie Hawkins‘ frühe Aufnahmen kommen dieser Stilart sehr nahe, wobei die schwarzen Stilelemente überwiegen. Zum Vergleich nun die Originalversion von Thirty oder Forty Days. Hier ist Chuck Berry’s Aufnahme vom Herbst 1955.
Ronnie Hawkins‘ allererste Schallplatte erschien 1958 nur in Kanada, wo er heute lebt und immer sehr viel erfolgreicher als in den USA war und noch ist. Im Frühjahr 1959 kam dann durch Vermittlung von Conway Twitty ein Vertrag mit einer US-Plattenfirma zustande. Und jetzt gleich noch einmal eine Gegenüberstellung von Original und Nachinterpretation, denn Ronnie Hawkins sang auf seiner zweiten Single-Platte „Mary Lou“, das im Original von Young Jessie aufgenommen wurde. Hier also zunächst Young Jessie’s „Mary Lou“ aus dem Frühjahr 1955.
Und nun Ronnie Hawkins‘ Nachinterpretation von „Mary Lou“ vom August 1959. Seine Begleitgruppe, The Hawks, bestand zu dieser Zeit aus Jimmy Luke, Gitarre, Will Jones, Piano, und Levon Helm, Schlagzeug. Im Herbst 1959 kam noch James Evans als Bassist hinzu. Die Saxophon-Breaks werden von Studio-Musikern gespielt.
K.W.: Das knistert natürlich so’n bisschen, diese Aufnahme.
W.V.: Ja, ich hab sie mit voller Absicht ausgewählt, denn dieses ist die Original- Mono-Aufnahme der alten Single-Platte. Ich meine, die Aufnahme ist auf einer LP wiederveröffentlicht worden, allerdings mit Pseudo-Stereo, und es ist tatsächlich eine Klangverfälschung, die dort zu hören ist.
K.W. Nun, man muss sich natürlich auch klarmachen dabei, dass das Aufnehmen von Mono-Sachen doch ganz anders passiert im Studio, dass man sich beim Stereo-Aufnehmen ganz andere Vorstellungen macht als Toningenieur und ganz anders aufbaut die einzelnen Instrumente u.s.w., dass man das sehr schwer von mono auf stereo übertragen kann. Es ist mir sehr oft aufgefallen, dass bei solchen Zurechtbasteleien von alten Mono- auf Stereo-Aufnahmen der Sound völlig verändert wird.
W.V.: In England ist man ja glücklicherweise schon so weit, dass bei den Wiederveröffentlichungs-LPs extra darauf gedruckt wird: Original Mono. Wann kommt das bei uns
K.W.: Jetzt kommt noch ne ...
W.V.: Ja, und als nächstes die Rückseite dieser „Mary Lou“-Platte. Es ist eine Eigenkomposition von Ronnie Hawkins mit dem Titel „Need Your Lovin‘ Oh So Bad“. Diese verhältnismäßig langsame Aufnahme zeigt recht deutlich, wie sehr Hawkins‘ Gesangsstil von schwarzen Elementen geprägt ist, wenn er zum Beispiel in einer mehrmals wiederkehrenden Textzeile fast falsettartige Töne von sich gibt.
Obwohl die beiden Single-Platten in den USA keine überragenden Erfolge waren, erschien doch schon im Herbst 1959 die erste LP von Ronnie Hawkins. Daraus nun die Aufnahme „Oh Sugar“.
Das war „Wild Little Willie“, eine weitere Aufnahme aus der vorhin erwähnten ersten LP von Ronnie Hawkins von 1959. Auf dieser LP findet sich dann auch noch die Aufnahme, die ihm seinerzeit bei uns den legendären Namen verschaffte: „My Gal Is Red Hot“. Auch hier möchte ich das schwarze Original mit der Nachinterpretation von Hawkins vergleichen, weil sie so sehr unterschiedlich sind. Zunächst also das Original „Red Hot“ von Billy „The Kid“ Emerson, aufgenommen 1955 in Memphis.
Thema: Ronnie Hawkins
01 Ronnie Hawkins Forty Days 2.16 Roulette 4154 1959
02 Chuck Berry Thirty Days 2.27 Chess 1610 1955
03 Young Jessie Mary Lou 2.58 Modern 961 1955
04 Ronnie Hawkins Mary Lou 2.07 Roulette 4177 1959
05 Ronnie Hawkins Need Your Lovin’ 2.21 Roulette 4177 1959
06 Ronnie Hawkins Oh Sugar 2.14 Roulette LP SR-25078 1959
07 Ronnie Hawkins Wild Little Willie 2.14 Roulette LP SR-25078 1959
08 Billy Emerson Red Hot 2.25 Sun 219 1955
09 Ronnie Hawkins My Gal Is Red Hot 1.48 Roulette LP SR-25078 1959
10 Ronnie Hawkins The Ballad Of Caryl Chessman 2.35 Roulette 4231 1960
11 Ronnie Hawkins Weary Blues 2.24 Roulette LP SR-25137 1961
12 Ronnie Hawkins Who Do You Love 2.39 Roulette 4483 1963
13 Ronnie Hawkins One More Night 2.22 Cotillion LP SD-9019 1970
14 Ronnie Hawkins Bony Moronie 2.21 Monument LP KZ-31330 1972
15 Ronnie Hawkins Dizzy Miss Lizzy (ausgeblendet) 0.53 Roulette LP SR-25078 1959
WORTPROTOKOLL
K.W.: Guten Tag, liebe Zuhörer. Ich hab’s gestern schon angekündigt. Heute spielt Werner Voss wieder ganz alte Sachen. Ja, schieß mal los, Werner.
W.V.: Ja, und die heutige Sendung möchte ich einem einzigen Sänger widmen, der es in Amerika nie so richtig schaffte, bei uns aber Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre durch nur zwei Aufnahmen legendären Ruhm erlangte. Hier ist eine der beiden Aufnahmen. Der Name des Sängers: Ronnie Hawkins.
Das waren also Ronnie Hawkins und seine Hawks mit „Forty Days“ aus April 1959, ihrer ersten Single-Platte in den USA. „Forty Days“ ist eine Cover-Version von Chuck Berry’s „Thirty Days“. Ronnie Hawkins nahm mehr als ein Dutzend Cover-Versionen bekannter Songs von schwarzen Interpreten auf, jedoch nicht mit der Absicht, den schwarzen Künstlern den Erfolg zu stehlen, wie es ja in der Zeit 1953 bis etwa 1957 gang und gäbe war. Hawkins, am 10. Januar 1935 in Huntsville, Arkansas, also einem Südstaat der USA, geboren, hat von Kindheit an zu Schwarzen und zu ihrer Musik gehabt, und seine erste Combo 1952 bestand aus vier schwarzen Musikern. Seine Cover-Versionen sind deshalb auch keine einfallslosen weißen Kopien schwarzer Songs, sondern ehrliche Nachinterpretationen in seiner natürlichen Ausdrucksweise, die sich aus der gegenseitigen Beeinflussung schwarzer und weißer Musikstile in den Südstaaten entwickelt hatte. Das Ergebnis solcher gegenseitigen Beeinflussung war 1954 von Elvis Presley erstmals erfolgreich auf Schallplatten erschienen. Man nennt diese Rock ‚n‘ Roll- Stilart Rockabilly oder Country-Rock. Ronnie Hawkins‘ frühe Aufnahmen kommen dieser Stilart sehr nahe, wobei die schwarzen Stilelemente überwiegen. Zum Vergleich nun die Originalversion von Thirty oder Forty Days. Hier ist Chuck Berry’s Aufnahme vom Herbst 1955.
Ronnie Hawkins‘ allererste Schallplatte erschien 1958 nur in Kanada, wo er heute lebt und immer sehr viel erfolgreicher als in den USA war und noch ist. Im Frühjahr 1959 kam dann durch Vermittlung von Conway Twitty ein Vertrag mit einer US-Plattenfirma zustande. Und jetzt gleich noch einmal eine Gegenüberstellung von Original und Nachinterpretation, denn Ronnie Hawkins sang auf seiner zweiten Single-Platte „Mary Lou“, das im Original von Young Jessie aufgenommen wurde. Hier also zunächst Young Jessie’s „Mary Lou“ aus dem Frühjahr 1955.
Und nun Ronnie Hawkins‘ Nachinterpretation von „Mary Lou“ vom August 1959. Seine Begleitgruppe, The Hawks, bestand zu dieser Zeit aus Jimmy Luke, Gitarre, Will Jones, Piano, und Levon Helm, Schlagzeug. Im Herbst 1959 kam noch James Evans als Bassist hinzu. Die Saxophon-Breaks werden von Studio-Musikern gespielt.
K.W.: Das knistert natürlich so’n bisschen, diese Aufnahme.
W.V.: Ja, ich hab sie mit voller Absicht ausgewählt, denn dieses ist die Original- Mono-Aufnahme der alten Single-Platte. Ich meine, die Aufnahme ist auf einer LP wiederveröffentlicht worden, allerdings mit Pseudo-Stereo, und es ist tatsächlich eine Klangverfälschung, die dort zu hören ist.
K.W. Nun, man muss sich natürlich auch klarmachen dabei, dass das Aufnehmen von Mono-Sachen doch ganz anders passiert im Studio, dass man sich beim Stereo-Aufnehmen ganz andere Vorstellungen macht als Toningenieur und ganz anders aufbaut die einzelnen Instrumente u.s.w., dass man das sehr schwer von mono auf stereo übertragen kann. Es ist mir sehr oft aufgefallen, dass bei solchen Zurechtbasteleien von alten Mono- auf Stereo-Aufnahmen der Sound völlig verändert wird.
W.V.: In England ist man ja glücklicherweise schon so weit, dass bei den Wiederveröffentlichungs-LPs extra darauf gedruckt wird: Original Mono. Wann kommt das bei uns
K.W.: Jetzt kommt noch ne ...
W.V.: Ja, und als nächstes die Rückseite dieser „Mary Lou“-Platte. Es ist eine Eigenkomposition von Ronnie Hawkins mit dem Titel „Need Your Lovin‘ Oh So Bad“. Diese verhältnismäßig langsame Aufnahme zeigt recht deutlich, wie sehr Hawkins‘ Gesangsstil von schwarzen Elementen geprägt ist, wenn er zum Beispiel in einer mehrmals wiederkehrenden Textzeile fast falsettartige Töne von sich gibt.
Obwohl die beiden Single-Platten in den USA keine überragenden Erfolge waren, erschien doch schon im Herbst 1959 die erste LP von Ronnie Hawkins. Daraus nun die Aufnahme „Oh Sugar“.
Das war „Wild Little Willie“, eine weitere Aufnahme aus der vorhin erwähnten ersten LP von Ronnie Hawkins von 1959. Auf dieser LP findet sich dann auch noch die Aufnahme, die ihm seinerzeit bei uns den legendären Namen verschaffte: „My Gal Is Red Hot“. Auch hier möchte ich das schwarze Original mit der Nachinterpretation von Hawkins vergleichen, weil sie so sehr unterschiedlich sind. Zunächst also das Original „Red Hot“ von Billy „The Kid“ Emerson, aufgenommen 1955 in Memphis.
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