ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

Waren Künstler- Verträge schuld?
 
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ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 05.05.2021 - 14:45 Uhr  ·  #1
Gerds Threat über Labelüberklebungen bei der TELDEC hat mich an meine Boyer/ Kuhn- Single erinnert.
Dass die Labels sorgsam überklebt wurden, hatte ich im ersten Moment gar nicht wahrgenommen, sondern mich nur über den befremdlichen Eindruck des ODEON Labels gewundert.
Da müssen seinerzeit Praktikanten oder andere HiWis eine gesamte Auflage dieser Schallplatte, bewaffnet mit Schere und Klebstoff, sorgsam mit zwei Labels pro Single überklebt haben. Auch die Bildhülle wurde vorne wie hinten mit einem Odeon Aufkleber versehen, wobei darauf zu achten war, dass die Columbia Bestellnummer nicht überklebt wurde.
Die rechtlichen Warnhinweise auf dem Label mussten allerdings teilweise dran glauben - die waren wohl nicht so wichtig.
Ich glaube, an dieser Schallplatte hat die Firma am Ende nicht viel verdient...
Es stellt sich die Frage, warum man freiwillig so einen Aufwand betreibt? Ich vermute, dass die Jacqueline, vielleicht aufgrund ihrer Verträge mit anderen Firmen, auf Columbia nicht erscheinen durfte.
Ansonsten ist der Regenschirm- Song eine gelungene Coverversion des Barry deVorzon Titels "Honey Bunny", welches auf RCA erschienen war. Kleines Gitarren- Break ist drin, und Paulchen klimpert auch ordentlich...
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 05.05.2021 - 15:27 Uhr  ·  #2
Hallo Michael!
Ich war gerade dabei einen Beitrag zu konzipieren, um dir diese Idee vorzuschlagen, denn eine Zusammenführung in der „Schallplatten-Label“-Abteilung wäre wegen der getrennten Firmen nicht machbar gewesen, aber du warst schneller als ich.

Bei TELDEC weiß ich, dass diese „Überkleber“ für den Export in die USA gedacht waren und ich erinnere mich dunkel an einige Beiträge über Chile etc. in unserem Forum die mich vermuten lassen, dass es bei ELECTROLA um Exporte nach Lateinamerika ging.

Übrigens habe ich zwei Beispiele gefunden, die bei uns bereits aufscheinen:
Ralf Bendix auf roter ODEON: (links klicken)
und
Hanna Dölitsch auf blauer ODEON: (links klicken)

Keep Serachin’
Gerd
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 05.05.2021 - 17:58 Uhr  ·  #3
Gerd
Diese "Odeon"-Platten dürften tatsächlich für, ich sage mal "Amerika" (ob Nord-oder Süd sei mal egal) bestimmt gewesen sein.
Grund in beiden Erdteilen hat das CBS-COLUMBIA-Label die Vermarktungsrechte demzufolge das EMI-Columbia-Label dort nicht geführt werden darf. Umgekehrt wurden CBS-Columbia-LPs in D auch mit dem "CBS"-Zeichen überklebt.
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 05.05.2021 - 22:13 Uhr  ·  #4
Hallo Gerd,
freut mich, dass meine Idee, das so zu machen, Deine Zustimmung gefunden hat.
Man könnte meinen, dass dieses Überkleben nur in einem engen zeitlichen Rahmen stattfand, aber die Exemplare liegen doch etwas weit auseinander. Dass nach einer solch mühsamen Erfahrung, die eventuell von bösen Briefen mit Klageandrohung der jeweiligen Markeneigner begleitet wurde (ich kenne so etwas u.a. vom Nestlé Konzern, der jeden Mitbewerber, der ihnen ein Dorn im Auge ist, wegen Kleinigkeiten mit seiner riesigen Rechtsabteilung auf die Pelle rückt), kein separates Exportlabel gedruckt und gepresst wurde, ist zumindest merkwürdig. Denn es waren sicherlich ein paar Hundert Exemplare einer Schallplatte, die exportiert wurden. Warum also immer wieder diese Überkleberei? Gab es vielleicht Beschäftigungsverträge mit örtlichen Justizvollzugsanstalten?
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 06.05.2021 - 09:01 Uhr  ·  #5
Zitat geschrieben von MeanOlHepCat

enn es waren sicherlich ein paar Hundert Exemplare einer Schallplatte, die exportiert wurden.


Das glaube ich nicht. Eventuell sogar gelegentlich nur ein Einziges! So wie gute deutsche Fachhändler damals jede beliebige ausländische Platte auf Kundenwunsch bestellen konnten, so konnten vermutlich auch Fachhändler in USA, Argentinien, aber auch viel näher liegenden Ländern (Benelux usw.) jede beliebige deutsche Platte bestellen. Auch aus dem deutschen Decca- / Electrola- / Columbia-Katalog. Es wäre aber nicht immer legal möglich gewesen, auch nur einzelne so gelabelte Platten als Handelsware dorthin zu schicken, wegen Verletzung des örtlichen Markenrechts. Also wurden sie vorher überklebt mit "unverfänglichen" Marken, für die die deutsche Herstellerfirma weltweit die Markenrechte besaß (z.B. Telefunken oder Odeon).

Man muß sich das nicht so vorstellen, dass die betr. Titel in jenen Ländern besonders beworben wurden und beim Großhandel in größeren Stückzahlen vorrätig waren. Sondern eher so, dass ein deutschsprachiger Kunde (Auswanderer?) etwa aus deutschen Illustrierten und den darin abgedruckten Rezensionen oder Hitparaden, aus einem aus Deutschland angeforderten Katalog, oder durch private Korrespondenz mit dem Heimatland, von der Existenz gewisser Platten erfahren hat und daraufhin eine Importbestellung entweder bei seinem örtlichen Plattenhändler, oder evtl. sogar direkt in Deutschland lanciert hat. Das Volumen solcher Bestellungen dürfte minimal gewesen sein und hätte keinesfalls gerechtfertigt, von ALLEN lieferbaren Platten (denn man konnte ja im Voraus nicht wissen, welche verlangt werden) jeweils speziell gelabelte Exportpressungen vorzuhalten.

Umgekehrt habe ich in den 1980er Jahren bei Bote & Bock (damals in West-Berlin) gelegentlich US-Columbia-Klassik-LPs bestellt und bekommen, die nicht im regulären deutschen Angebot und auch nicht im Ladengeschäft vorrätig waren, sondern individuell aus USA bestellt wurden. Am Informationsschalter konnte man die aktuellen amerikanischen Kataloge einsehen und daraus aussuchen. Wenn die Platten dann eintrafen, war das Wort "Columbia" auf Hülle und Platte immer mit "CBS"-Stickern unkenntlich gemacht. Weil nämlich der deutsche Zoll im Namen der deutschen/europäischen Columbia die Fremdprodukte mit dem für die Lindström-Rechtsnachfolger in Dtl. geschützten Namen drauf als "Markenfälschung" aufgehalten hätte.

Chris
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 06.05.2021 - 12:04 Uhr  ·  #6
...wobei man davon ausgehen kann, dass z.B "Benelux" keine Überklebungen notwenig waren. Alle Marken, die es in D gab, gab es auch dort (zB. Columbia, Decca etc) Umgekehrt war es ebenso. So habe ich aus Frankreich eine Reihe von Columbia-Jazz-EPs gesehen, die natürlich nicht "überklebt" waren. Warum auch ? EMI-Columbia gab es ja auch hierzulande.
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 06.05.2021 - 14:06 Uhr  ·  #7
Ich möchte Chris ausdrücklich zustimmen. Ich habe eine Reihe deutscher und englischer Columbia-LPs in meiner Sammlung, bei denen das Columbia-Logo mit diversen Odeon/EMI Angel Stickern verdeckt worden ist.
Bei den deutschen Pressungen sind das alte blaue Columbia-Label von Anfang der 1960er, das rot-weiß-goldene aus Mitte der 1960er sowie das blaue von Ende der 1960er/Anfang der 1970er vertreten.
Bei den englischen Pressungen sind das blau-schwarze, das silber-schwarze als auch des braun-beige Label vertreten.
Auffällig ist, dass bei den späteren Pressungen nur noch die Logos auf den Hüllen überklebt wurden, die Label blieben unberührt. Eventuell waren die Platten eingeschweißt, sodass man ein Überkleben der Label für unnötigt hielt.
Ich habe alle Exemplare von einem Händler aus den USA oder von einem Händler aus Kanada erworben, beide haben ihre Geschäfte nahe beieinander an der USA-Kanada-Grenze. Meiner Meinung nach deutet dies auf eine Quelle der LPs hin, ähnlich wie Chris sie beschrieben hat.
Nachfolgend einige Exemplare.
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 06.05.2021 - 14:47 Uhr  ·  #8
Zitat geschrieben von country

...wobei man davon ausgehen kann, dass z.B "Benelux" keine Überklebungen notwenig waren. Alle Marken, die es in D gab, gab es auch dort (zB. Columbia, Decca etc) Umgekehrt war es ebenso. So habe ich aus Frankreich eine Reihe von Columbia-Jazz-EPs gesehen, die natürlich nicht "überklebt" waren. Warum auch ? EMI-Columbia gab es ja auch hierzulande.


Ich dachte da mehr an Teldec, da ich mir nicht sicher bin, wie eng die französisch-belgische Decca mit der deutschen Telefunken-Decca liiert war. Ist aber nur eine Vermutung meinerseits. Bedarf an Dietmar Kivel und anderen rheinischen Karnevalisten (unsere ersten Beispiele für überklebte Deccas hier) hätte ich halt eher im belgischen oder elsässischen Grenzgebiet vermutet als in Übersee. Aber wer weiß!

Chris
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 06.05.2021 - 17:19 Uhr  ·  #9
Bei TELDEC gibt es tatsächlich eine Ausnahme. Niederlande ! Hier gehörte das Decca-Label zu Philips. Deutsche Decca-Aufnahme, soweit sie nach Holland exportiert wurden, wurden mit einem Telefunken-Sticker überklebt. In Holland hergestellte deutsche Decca-Aufnahme erschienen auf "Telefunken". Umgekehrt erschienen die holländ. Decca-Aufnamen in aller regel auf Fontana/Philips. Erst in den 80igern übernahm auch die Teldec holländ. Decca-Aufnahmen auf dem dt. Decca-Label.
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 06.05.2021 - 18:24 Uhr  ·  #10
Zitat geschrieben von country

Bei TELDEC gibt es tatsächlich eine Ausnahme. Niederlande ! Hier gehörte das Decca-Label zu Philips. Deutsche Decca-Aufnahme, soweit sie nach Holland exportiert wurden, wurden mit einem Telefunken-Sticker überklebt. In Holland hergestellte deutsche Decca-Aufnahme erschienen auf "Telefunken". Umgekehrt erschienen die holländ. Decca-Aufnamen in aller regel auf Fontana/Philips. Erst in den 80igern übernahm auch die Teldec holländ. Decca-Aufnahmen auf dem dt. Decca-Label.


Dann war mein Bauchgefühl bezgl. Gerds Decca-Karnevalsplatten ja doch nicht ganz falsch, danke! Die Allianz Decca-Philips machte mir nämlich auch zu denken, denn Teldec und Philips haben ja in Deutschland nichts gemein.

Chris
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Re: ELECTROLA überklebte - aus COLUMBIA wurde beispielsweise ODEON

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Gepostet: 28.11.2021 - 22:56 Uhr  ·  #11
(1947)






(sollte eigentlich garnicht bei diesem speziellen Thema landen - na egal)
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