Hallo,
Der Drummer Joe Morello zog mit 23 nach New York. In diesem Jazz-Mekka dauerte es eine Weile, bis er sich einen Namen machte und noch länger, bevor er an Plattenaufnahmen mitwirkte. Eine Bestätigung seines Könnens, wenn auch nicht der Durchbruch, war, nach einer kurzen Zeit bei Stan Kenton, das langjährige Engagement im Trio der britischen Pianistin Marian McPartland, die mit ihrem Trio im Hickory House residierte und den 24-Jährigen engagierte, nachdem er bei ihr eingestiegen war.
Davon erzählt sie: „Mit seinen dicken Augengläsern sah er weniger aus wie ein Drummer als ein Student der Nuklearphysik. Ich kann mich nicht erinnern, welches Stück wir spielten, aber das spielt auch keine Rolle, denn innerhalb von Sekunden erkannte jeder im Raum, dass der zurückhaltend auftretende Bursche ein phänomenaler Drummer war. Jeder hörte zu. Es war eine Freude, seiner präzisen Mischung aus Anschlag, Geschmack und fast unglaublicher Technik zuzuhören. Seine Technik war sicherlich ebenso groß (wenn auch anders angewandt) wie die von Buddy Rich.“ Live-Aufnahmen des 25-jährigen Joe Morello aus dem Hickory House belegen dessen Können.
McPartlands Bassist Bill Crow berichtet: „Marian gab uns beiden viel Raum zu wachsen. Joe sagte immer, er würde gerne mit hart swingenden Leuten wie Phil Woods spielen, und ich empfahl ihm, sich auf Jam Sessions herumzutreiben, wo er unterschiedlichste Musiker kennenlernen könne. Als Brubeck ihm den Job anbot, riet ich ihm, ihn nicht anzunehmen. ‚Joe’, sagte ich, ‚bei dieser Gruppe wirst Du ein großer Star, doch Du wirst nie die Chance bekommen, mit jener Art Gruppen zu spielen, von denen Du redest.’“ Er folgte meinem Rat nicht, doch er ist damit sehr gut gefahren.“
Gruß
Heino