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Charley Patton, auch Charlie Patton (* April (?) 1891 bei Bolton/Mississippi, + 28. April 1934 in Indianola/Mississippi) war ein US-amerikanischer Blues Musiker. Er gilt als Vater des "Delta Blues".
Nur wenige Menschen haben einen so großen Einfluss auf die amerikanische Musik gehabt wie Charley Patton, der Vater des "Delta Blues". Patton war nicht nur der erste Blues-Superstar, sondern viele andere Musikrichtungen, darunter Gospel, R&B, Soul und besonders Rock'n'Roll, zeigen den direkten Einfluss seiner Arbeit.
Patton wurde als das drittälteste Kind von Bill und Annie Patton höchstwahrscheinlich im April 1891 bei Bolton/Mississippi geboren und hatte elf Geschwister, von denen acht bereits während Kindheit und Jugend starben. Die Familie war gemischt indianisch-afroamerikanisch-weißer Herkunft.
Sam Chatmon nahm für sich in Anspruch, der leibliche Bruder von Patton zu sein und verwies darauf, dass sein Vater Henderson Chatmon Anfang der 1890 er Jahre ein Verhältnis mit Annie Patton hatte. Höchstwahrscheinlich war wohl einer der Söhne der Pattons tatsächlich ein Kind von Henderson Chatmon, welcher der drei es aber war, lässt sich nicht mehr definitiv entscheiden. Die Tatsache, dass William "Will C." Patton (* 1895) in den Zensus-Unterlagen von 1900 nicht als Kind der Pattons aufgeführt ist, lässt jedoch den Schluss zu, dass Bill Patton ihn als illegitimen Sohn nicht angab und weist so von Charley Patton weg.
Charley Patton zeigte schon früh eine Vorliebe für Musik und lernte schon als kleines Kind Gitarre spielen. Er begann bereits in seinem siebten Lebensjahr Gitarre zu spielen und musste sich seine Liebe zur Musik erst gegen den frommen Vater erkämpfen, denn er wuchs in einer fleißigen Bauern- und religiösen Familie auf, und sein Vater hielt das Gitarrenspielen für eine Sünde. Ihm sollte sogar durch Auspeitschen mit einer Bullenpeitsche die Lust an der Gitarre ausgetrieben werden.
Zwischen 1901 und 1904 zog Bill Patton mit seiner Familie (nach einem kurzen Intermezzo nahe Edwards Mitte der 90 er Jahre) wegen der erheblich besseren Verdienstmöglichkeiten auf die Dockery Plantation bei Ruleville im Mississippi-Delta, das zu dieser Zeit urbar gemacht wurde. Die Plantage war über sechzig Quadratkilometer groß, beschäftigte mehrere hundert Arbeiter, die mit ihren Familien auf dem Gelände lebten und verfügte über eine eigene, dorfähnliche Infrastruktur, es gab unter anderem einen Kurzwarenladen, ein Möbelgeschäft, eine Kirche, einen Friedhof und sogar einen Bahnhof. Dort brachte der arbeitsame Bill Patton es zu relativem Wohlstand, der für Charley auch bedeutete, dass der Vater ihm eine – für seine Zeit und soziale Stellung – gute Erziehung ermöglichte, er besuchte die Schule bis zur neunten Klasse.
Zusätzlich zur schulischen Erziehung legte der Vater, selbst Ältester der baptistischen Kirche der Dockery Plantage, auch Wert auf eine solide religiöse Bildung seiner Kinder. Charley Patton besuchte regelmäßig die Sonntagsschule, war bibelfest und hielt gelegentlich Laienpredigten. Diese religiöse Ausbildung hat Patton stark geprägt. Zeit seines Lebens fühlte er sich zum Beruf des Predigers hingezogen, und auch in seinem Repertoire spielten religiöse Themen eine wichtige Rolle.
Letztlich gab der Vater aber nach und schenkte Charley um 1905 seine erste eigene Gitarre. Sein Spiel blieb jedoch noch dilettantisch, bis er auf der Dockery Plantage dann Henry Sloan begegnete, dem frühesten namentlich bekannten Blues-Musiker, dessen Schüler er wurde und den er später mehrere Jahre bei Auftritten als zweiter Gitarrist begleiten sollte. Ein weiterer Lehrer von Patton war Earl Harris, dessen Einfluss auf Patton sich aber nicht genau bestimmen lässt.
Charley Patton wandte sein musikalisches Talent dem Blues zu. Er begann, die rohe und rhythmische Blues-Spieltechnik des Gitarristen Henry Sloan zu studieren und entwickelte schließlich einen einfallsreichen Stil, der schwere Bassnoten und das Spielen von Slide-Gitarre mit einem Messer einschloss.
Patton spielte gelegentlich mit den Chatmon Brothers, die später als The Mississippi Sheiks großen Erfolg hatten, Walzer, Ragtime, Minstrel und auch Square-Dance-Musik bei Picknicks und Partys, zunächst vermutlich für rein schwarze Zuschauer und später für Weiße, die besser bezahlen konnten. 1906, als knapp Fünfzehnjähriger, verließ er sein Elternhaus, vermutlich trugen drastische Differenzen und Auseinandersetzungen zwischen ihm und seinem Bruder Willie dazu bei.
In den zweiundzwanzig Jahren nach seiner Ankunft bei Dockery Farms legte Patton seine religiöse Erziehung nie vollständig ab. Er schwankte zwischen den Rollen des trinkfreudigen, frauenliebenden Wanderers und gottesfürchtigen Predigers. Der abschweifende Blues-Musiker in ihm setzte sich meist durch, doch selbst dann blieb er in der Nähe seiner Heimat und reiste nie weiter als nach West-Tennessee, Ost-Arkansas oder Nordost-Louisiana, um Konzerte zu spielen.
Patton war von ca. 1907 an bis zu seinem Tod als Musiker aktiv, von 1912 an zeichnet sich sein deutlicher Einfluss auf andere Blues-Musiker ab. In den frühen 1920 er Jahren konnte er das Dasein als Wandermusiker hinter sich lassen und wurde zum ersten Star des jungen Genres.
Karrierebeginn
Ungefähr seit 1907 war Patton als Musiker aktiv, Ernest Brown berichtet, dass er in den folgenden vier Jahren allmählich eine lokale Bekanntheit wurde. Interessant ist auch seine Äußerung, dass Patton bereits „dieselbe Art von Musik spielte, wie zu der Zeit, als er Schallplattenaufnahmen machte“ - (He [was] playin’ the same kind of music like he did when he put out them records.). Die ältesten Kompositionen seines aufgenommenen Repertoires datieren in diese Zeit zurück (“Pony Blues“, “Banty Rooster Blues“, “Mississippi Bo Weavil Blues“, “Down The Dirt Road“), 1910 hatte er schon fast alle der Stücke komponiert, die er bei seiner ersten Aufnahmesitzung 1929 einspielen sollte. Um 1912 hielt er sich viel in der Kleinstadt Drew auf, wo er auf zahlreiche weitere Musiker traf, die später bekannt werden sollten (z. B. Tommy Johnson, Roebuck Staples). John Fahey vermutet hier den Beginn seines massiven Einflusses auf den sich konstituierenden "Delta Blues".
Wenige Jahre später erschoss ein schwarzer US-Soldat in Drew einen Weißen, wodurch sich das Klima für die Musiker rapide verschlechterte und sie letztlich die Stadt verlassen mussten. Dieser Auszug der von Patton unmittelbar beeinflussten Musiker führte dazu, dass der von ihm entscheidend mitgeprägte Stil sich weit in Mississippi verbreitete.
1916 bot ihm W.C. Handy den Eintritt in seine Band an, was er aber ausschlug, da er keine Noten lesen konnte. Während einer Musterung auf seine Tauglichkeit für den Einsatz als Soldat im Ersten Weltkrieg erfuhr er, dass er einen Herzfehler hatte (Mitralstenose) und wurde vom Kriegsdienst freigestellt. Im Laufe der 20 er Jahre wurde er im Süden der USA ein weithin bekannter und beliebter Solomusiker, der – im Unterschied zu seinen wandernden Kollegen – bereits für Auftritte gebucht und bezahlt wurde. Patton spielte in Juke Joints, an Straßenecken oder vor Geschäften, auf House parties (eine private Wohnung oder ein Haus, das für eine Nacht in einen Juke Joint verwandelt wurde) und bei Picknicks, die weiße Farmer gelegentlich für ihre schwarzen Angestellten veranstalteten, zu Beginn seiner Karriere manchmal auch für Medicine Shows, auf Geburtstagen und Hochzeiten.
Die erste Aufnahmesession
Während Patton im Sommer 1929 in Jackson war, versuchte Henry C. Speir, ein weißer Musikladenbesitzer, nach einer ersten Probeaufnahme, ihn an Victor Records zu vermitteln. Victor zeigten sich aber uninteressiert an Patton und so vermittelte Speir ihn dann für 150 Dollar Kommission an Paramount Records, die Patton zu seiner ersten Aufnahmesession nach Richmond/Indiana einluden, wo er am 14. (und 15.?) Juni 1927 vierzehn Lieder in einem Studio von Gennett Records aufnahm. Diese Session brachte einige seiner bekanntesten Werke hervor, darunter “Pea Vine Blues“, “Tom Rushen Blues“ und “Pony Blues“, das sofort ein "Race Record"-Hit wurde.
Dem Titel “Snatch It And Grab It“ widmete Bear Family Records eine CD-Serie.
Zu dieser Session reiste Patton gemeinsam mit Buddy Boy Hawkins an, der hier seine letzte Session hatte; auf einem der Stücke, die Hawkins einspielte (“Snatch It And Grab It“) ist Patton singend und rufend im Hintergrund zu hören.
Sämtliche am 14. (und 15.?) Juni dort aufgenommenen vierzehn Stücke erschienen innerhalb der kommenden Monate bei Paramount, als Debüt wurde eines der ältesten Stücke seines Repertoires veröffentlicht, der über zwanzig Jahre alte “Pony Blues“. Er sollte sein größter Verkaufserfolg werden.
Pattons zweite Platte, “Screamin’ And Hollerin’ The Blues“/“Mississippi Bo Weavil Blues“, wurde als Werbegag unter dem Pseudonym The Masked Marvel veröffentlicht, wer Pattons Identität erriet, konnte eine Gratisplatte aus dem Sortiment von Paramount gewinnen.
Die zweite Aufnahmesession
Da sich Pattons erste Aufnahmen ausgesprochen gut verkauft hatten, wurde er von Paramount bereits im November/Dezember 1929 zu weiteren Aufnahmen geholt, diesmal in Grafton/Wisconsin, um mit dem ebenfalls aus dem Delta stammenden Blues-Musiker und Geiger Henry "Son" Sims aufzunehmen. Henry Sims, den er seit seiner Jugend kannte, war zu dieser Zeit noch kein ausgewiesener Bluesmusiker und war durch Patton an Paramount vermittelt. Patton nahm vierundzwanzig Stücke auf, auf sechsen wird er dabei von Sims an der Fiddle begleitet, im Gegenzug ist er als Gitarrist auf Sims’ vier aufgenommenen Stücken zu hören.
Die – verglichen mit anderen zeitgenössischen Blues-Musikern – hohe Anzahl aufgenommener Stücke verdeutlicht zum einen seine Professionalität (normalerweise wurden an einem Tag nur rund vier bis acht Stücke eines Musikers aufgenommen, ein Durchschnitt, den Patton in diesen Sessions weit übertraf) und zum anderen die herausragende Stellung, die er im Portfolio von Paramount einnahm, eine so hohe Anzahl von Einspielungen eines Künstlers in so kurzer Zeit war absolut ungewöhnlich.
Mit dem Tod von Blind Lemon Jefferson im Dezember 1929 wurde Patton schlussendlich zum prominentesten und erfolgreichsten Künstler von Paramount, im Folgejahr sollten dreizehn Platten von ihm erscheinen, mehr als von jedem anderen Blueskünstler.
Die dritte Aufnahmesession
Pattons dritte Aufnahmesession fand im August 1930 ebenfalls in Grafton statt und dauerte vier bis sechs Tage. Sie war die letzte für Paramount Records, die aufgrund der Weltwirtschaftskrise und dem dadurch verursachten Mangel an Käufern für ihre Platten bereits in ersten finanziellen Schwierigkeiten steckten und zwei Jahre später schließen mussten. Zugleich ist es Pattons „kleinste“ Session gewesen, er selbst nahm nur vier Stücke dort auf, auf denen er von Willie Brown als zweitem Gitarristen begleitet wird und die vielfach zu seinen besten Aufnahmen überhaupt gezählt werden. Die geringe Anzahl der Aufnahmen lag wohl darin begründet, dass Paramount im Rahmen dieser Sitzung Patton vor allem für ein weiteres Jahr vertraglich an sich binden wollten.
Zu dieser Session hatte Patton nach Aufforderung durch Art Laibley, dem Aufnahmeleiter bei Paramount, weitere Musiker mitgebracht, die alle ebenfalls Gelegenheit bekamen, Aufnahmen zu machen, wofür Patton 100 Dollar erhielt. So konnte Son House, den Patton erst vor kurzem kennengelernt hatte, seine ersten und für Jahrzehnte einzigen Aufnahmen machen, ebenso wie Willie Brown, der nach seinen vier Stücken nie wieder aufnahm. Weitere, weniger bekannte Künstler, die Patton mitbrachte, waren die Sängerin und Pianistin Louise Johnson (eine kurzzeitige Geliebte von Patton, die ebenfalls vier Stücke einspielte) sowie die a cappella-Gospelgruppe Delta Big Four.
Den größten Teil seines bekannten Repertoires spielte er in drei Aufnahmesessions 1929 und 1930 ein, durch die er seine Bekanntheit noch weiter steigern konnte.
Karriereeinbruch
Aufgrund der Weltwirtschaftskrise breitete sich unter der afro-amerikanischen Bevölkerung zunehmend Armut aus, die nur wenig Geld für Freizeitvergnügen und Schallplatten ließ. Patton bekam vorerst keine weiteren Aufnahmegelegenheiten und gab zeitweise Gitarrenunterricht. Bemerkenswerterweise spielte er häufiger als je zuvor vor weißem Publikum, das zum einen noch eher über finanzielle Mittel für Festivitäten jeder Art verfügte und unter dem er in den letzten Jahren seines Lebens zunehmend an Popularität gewann.
Letzte Aufnahmesession und Tod
1933 hatte sich die amerikanische Schallplattenindustrie wieder einigermaßen von der Krise erholt und der ohne Plattenfirma dastehende Patton bekam im Januar 1934 von der American Record Company (ARC) einen Vertrag angeboten. Patton reiste daher mit seiner damaligen Lebensgefährtin Bertha Lee zu seinen letzten Aufnahmen vom 30. Januar bis zum 01. Februar nach New York und spielte dort, teils gemeinsam mit Bertha, 29 Titel ein.
Aufgrund der Tatsache, dass ARC-Schallplatten in Mississippi, dem Schwerpunkt von Pattons Ruhm, kaum erhältlich waren, verkauften sich Pattons Veröffentlichungen schleppend, und so erschienen nur 12 der 29 Titel bei Vocalion Records, einem preisgünstigen Sub-Label der ARC.
Die Aufnahmen dieser letzten Session sind hörbar von Pattons schlechter Gesundheit überschattet. Er war stark erkältet und seine Stimme angegriffen.
1933 hatte in Holly Ridge ein Zuhörer, der den Text eines Songs von Patton als Anbandelungsversuch mit seiner Partnerin verstand, versucht ihm die Kehle durchzuschneiden. Patton überlebte nur knapp, behielt aber eine große Narbe an der Kehle zurück. Darüber hinaus hatte Patton bereits kurz vor seiner Reise nach New York starke Herzprobleme gehabt, trat jedoch dessen ungeachtet die Reise an.
Seine Stimme war kurzatmig und brüchig geworden, ihr mangelte es am früheren Volumen und der ehemaligen Flexibilität. An der Gitarre war er nicht mehr so kraftvoll und schnell wie früher, wenn auch nuancierter; viele der Stücke waren ruhiger, introvertierter und ernsthafter angelegt. In manchen Stücken scheint Patton mit dem Leben, das er bisher so wild besang, eher abschließen zu wollen, Zeilen wie „Oh Death / I know my time ain’t long“ (Oh Death) oder auch Strophen aus Poor Me (siehe unterhalb) scheinen anzudeuten, dass Patton seinen bevorstehenden Tod ahnte.
Don’t the moon look pretty,
Shinin’ down through the tree?
I can see Bertha Lee,
But she can’t see me.
Sein unruhiger Lebensstil hatte in Kombination mit den zunehmenden Symptomen einer damals nicht behandelbaren Mitralstenose (die entweder auf eine Syphilis connata oder ein rheumatisches Fieber in seiner Kindheit zurückging) über die Jahre an Pattons physischen Ressourcen gezehrt, es ging ihm gesundheitlich zunehmend schlechter.
Rund zwei Monate nach seinen letzten Aufnahmen, am 28. April 1934, starb Patton, nach einwöchigem Todeskampf und stetem Predigen über die Offenbarung des Johannes, an Herzversagen. Sein Tod blieb in der Presse ohne Widerhall und obwohl viele zu seinem Begräbnis kamen, war kein Blues-Musiker anwesend. Sein heutiger Grabstein ehrt ihn als „The Voice of the Delta“ („Stimme des Deltas“) und „The foremost performer of early Mississippi Blues, whose songs became cornerstones of American music.“ („Der führende Künstler des frühen Mississippi Blues, dessen Lieder Ecksteine der amerikanischen Musik wurden.“).
Um die Zeit von Pattons Tod setzte auch der Verfall des "Country-Blues" ein, viele ehemalige Auftrittsorte setzten eher auf Jukeboxen als auf unbekannte Live-Künstler, zahlreiche Musiker gingen in die Städte und entwickelten dort die neuen Stilformen des "Urban Blues", eine Entwicklung, die durch die Adaption der E-Gitarre noch verstärkt wurde.
Seine letzte (posthume) Veröffentlichung, “Hang It On The Wall“, erschien im April 1935. Die Master der unveröffentlichten siebzehn Stücke sind verschollen.
Als Delta-Künstler sang und nahm Patton stets Lieder auf, die Menschen, Orte und Ereignisse aus seiner Gemeinschaft beinhalteten. “Tom Rushen Blues“ beklagte die Möglichkeit, dass ein freundlicher Sheriff durch jemanden ersetzt werden könnte, der weniger öffentlich berauscht war: „Legte mich letzte Nacht hin, hoffte, ich hätte meinen Frieden / Ich legte mich letzte Nacht hin, hoffte, ich hätte meinen Frieden / Aber als ich aufwachte, schüttelte Tom Rushen mich.“
In “Green River Blues“ sang Patton: „I'm goin' where the Southern cross the Dog“ – der Knotenpunkt der Southern (Yazoo) und der Dog (Mississippi Valley) Eisenbahnlinien nur wenige Meilen südlich von Dockery Farms.
In “Pea Vine Blues“ sang er über einen Liebhaber, der mit einem Zug von und nach Dockery abreist: „Ich glaube, ich habe die Pea Vine gehört, als sie wehte. / Ich glaube, ich habe die Erbsenranke gehört, als sie explodierte. / Es explodiert genau wie mein Reiter, der einsteigt.“
“High Water Everywhere (Part 1 & 2)“ handelt von der Großen Flut von 1927, die einen Großteil des Mississippi-Deltas verwüstete. Patton sang mit lauter, rauer Stimme, und viele der Texte in seinen Aufnahmen sind nahezu unverständlich.
Patton nahm auch religiöse Lieder wie “You going to Need Somebody When You Die“ (unter dem Pseudonym Elder J. J. Hadley), “Oh Death“ und “I Shall Not Be Moved“ auf.
Seine Aufnahmen brachten ihm breite Anerkennung ein, doch sein Einfluss auf die amerikanische Musik stammt vor allem von denen, mit denen er spielte, wie den Blues-Musikern Tommy Johnson, Son House, Big Joe Williams, Howlin' Wolf und Muddy Waters, unter anderen.
Der Kritiker Robert Santelli schrieb über ihn: „Pattons Bedeutung in der Geschichte des Blues ist immens; kein Country Blues-Musiker, außer Blind Lemon Jefferson, übte einen größeren Einfluss auf die Zukunft des Genres und die nachfolgende Generation von Stilisten aus als Patton. Jeder, von Son House, Howlin’ Wolf, Tommy Johnson und Robert Johnson bis hin zu Muddy Waters, John Lee Hooker und Elmore James kann seinen Blues-Stil auf Patton zurückführen.“
Bukka White erklärte einmal, sein Lebensziel sei es, „ein großer Mann zu sein – wie Charley Patton.“ Andere Bluesmusiker haben seinen Stil kopiert, und es kann mit Recht argumentiert werden, dass bewusst oder unbewusst jeder Rock'n'Roller von seinem Stil und seiner Musik beeinflusst wurde. Sein Einfluss reicht auch weiter: Der Gospel-Patriarch Roebuck "Pops" Staples, der ebenfalls auf Dockery Farms aufwuchs, sagte einmal, Patton „war einer meiner großartigen Personen, der mich inspiriert hat, Gitarre zu spielen. Er war ein wirklich großartiger Mann.“
Patton starb am 28. April 1934 in Indianola, kurz nach seiner Rückkehr von seiner letzten Aufnahmesession.
Insgesamt sind 54 Stücke von Patton erhalten, sie wurden (neben umfangreichen weiteren Materialien) alle 2001 in der Werkausgabe “Screamin’ and Hollerin’ the Blues: The Worlds of Charley Patton“ veröffentlicht. Dieses Boxset wurde mit drei Grammys ausgezeichnet und machte Patton erstmals über Fachkreise hinaus bekannt.
Familienverhältnisse
Patton, der als charismatisch und gut aussehend (er war ungefähr 1,70 m groß, wog um die 65 Kilo, hatte hellbraune Haut und lockiges Haar) beschrieben wird und zugleich erfolgreich und relativ wohlhabend war, wirkte nach zeitgenössischen Berichten sehr anziehend auf Frauen. Er hatte zahlreiche Affären, eine ungeklärte Anzahl sogenannter „common-law wives“ (feste Lebenspartnerinnen, mit denen er jedoch – wie zu dieser Zeit bei afro-amerikanischen Paaren häufig – nicht offiziell verheiratet war) und war sechsmal verheiratet.
Die Quellenlage diesbezüglich lässt sich jedoch nur als konfus bezeichnen, neben den erwähnten sechs Ehen gab es möglicherweise noch weitere, für mindestens zwei liegen Indizien vor.
Seine erste Ehe schloss er 1908 mit Gertrude Lewis, die Ehe war aber sehr kurzlebig, denn noch im selben Jahr heiratete er Millie Bonds (unbelegt), die ihm eine Tochter, Willie Mae, genannt China Lou, gebar. Obwohl die „Ehe“ nur wenige Jahre hielt, blieb er mit ihr und China Lou stets weiter in (losem) Kontakt.
1913 heiratete er Dela Scott, 1918 Roxie Morrow (mit der er seine längste Ehe führte), 1922 Minnie Franklin, 1924 Mattie Parker.
Wahrscheinlich Ende 1929 lernte er seine letzte Frau und gelegentliche Gesangspartnerin Bertha Lee Pate, genannt Bertha Lee, kennen, eine Köchin, die damals erst dreizehn war. Ab 1930 lebte er mit ihr in einer zwar temperamentvollen und teils von beiderseitiger Gewalt geprägten, von beiden aber positiv eingeschätzten Beziehung zusammen. Eine besonders harte Auseinandersetzung auf einer house party zwischen beiden führte sogar zu einer kurzen Haft für beide im Gefängnis von Belzoni (die Geschichte verarbeitete Patton im “High Sheriff Blues“). 1933 zog er mit ihr in Holly Ridge/Mississippi zusammen, sie blieben bis kurz vor seinem Tod beieinander.
Neben China Lou hatte Patton zahlreiche weitere Kinder, zwei Söhne (* 1916 bzw. 1918) mit Sallie Hollins, mit Martha Christian eine Tochter Rosetta (1917–2014) (das zuletzt noch lebende Kind Pattons, laut Geburtsurkunde war sie ehelich geboren, eine Heiratsurkunde existiert jedoch nicht). Nichts weiter weiß man von den zwei Kindern, die aus seiner Ehe mit Bertha Reed hervorgingen, ebenso von einem Jungen, der bereits in früher Kindheit gestorben sein soll.
Einflüsse
Zu den Einflüssen auf Pattons Werk kann nur wenig gesagt werden, da er stilistisch bereits weit vor 1910 gefestigt war, somit selbst zu den frühesten überhaupt aufgenommenen Blues-Künstlern überhaupt zählt und Vergleiche mit vorhergehenden Musikergenerationen daher kaum möglich sind. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürften seine wichtigsten Lehrer, Henry Sloan und Earl Harris, sein Spiel geprägt haben, über weitere Einflüsse seiner Frühzeit ist nichts bekannt.
Allerdings zeigt der Rhythmus und die perkussive Spielweise insbesondere seiner frühen Stücke viele Ähnlichkeiten zur ostinaten zweischlägigen pow wow Musik der amerikanischen Indianer, mit der er durch seine Cherokee-Großmutter höchstwahrscheinlich seit seiner Kindheit gut vertraut war.
Bekannt ist, dass er mit dem Aufkommen der ersten Blues-Schallplatten ab 1923/1924 den Markt sehr genau verfolgte und sich bei Neukompositionen an erfolgreichen Stücken orientierte, so adaptierte er z. B. Ma Raineys “Booze and Blues“ von 1924 als “Tom Rushen Blues“, den Text von Ardelle Braggs “Bird Nest Blues“ verwandte er in veränderter Form in “Bird Nest Bound“ und benutzte den “Cryin’ Blues“ von Hound Head Henry als Grundlage für sein “Poor Me“, ebenso wie “Sittin’ On Top Of The World“ der Mississippi Sheiks seinem “Some Summer Day“ als Vorlage diente. Seine Bewunderung, wohl auch ob seines beträchtlichen Erfolges, galt darüber hinaus dem äußerst erfolgreichen Pionier des Country Blues auf Schallplatte, Blind Lemon Jefferson.
Gruß
Heino