Hallo
mit Linernotes aus # 11:
Rileys Geschichte ist in Country-Musikkreisen recht bekannt, denn er gehörte zu den vielen, die trotz ihres Erfolgs als Musiker ihre Familie nicht ernähren konnten und ihre Karriere mit einem Nebenjob als Automechaniker kombinierten.
Dieser hochtalentierte Künstler aus Texas wurde 1912 in Mount Pleasant geboren und erfreute sich großer Beliebtheit bei eingefleischten Country-Fans und Rockabilly-Liebhabern gleichermaßen. Rileys Nachname hat faszinierende Ursprünge und stammt vom altenglischen „crabb-treow“, was so viel wie „Wildapfel“ bedeutet. Er bezeichnete einst Menschen, die in der Nähe eines Wildapfelbaums lebten. Die Geschichte der Familie Crabtree lässt sich erstmals 1301 mit John Crabbetrywe urkundlich belegen, der in die Parlamentsrollen von Essex/England, aufgenommen wurde.
Riley selbst wurde auf einem Bauernhof geboren und war das jüngste von acht Geschwistern. Im Alter von zwei Jahren erkrankte er an Kinderlähmung und war zeitlebens auf Krücken angewiesen. Seine Stimme hatte einen gewissen Blues-Einschlag, und es überrascht daher nicht, dass einige Musikexperten seinen Gesangsstil mit dem seines Idols Hank Williams verglichen. Die Härten von Rileys hartem Leben und seiner Behinderung spiegelten sich in vielen seiner Lieder wider.
Bereits 1938 gewann Riley den ersten Preis bei einem Sängerwettbewerb in Paris/Texas; doch erst Ende 1945 gründete er seine eigene Band, die Hillbilly Ramblers. Zuvor war Riley mit anderen Künstlern auf Tournee gewesen und hatte sich offenbar von Zeltshow-Bands begleiten lassen.
Interessanterweise bestanden die Hillbilly Ramblers aus Smokey Cal Burton Harris, Ray Key und dem noch sehr jungen Country Johnny Mathis.
Ein weiteres Idol von Riley Crabtree war Jimmie Rodgers, daher ist es bezeichnend, dass er bei seinen ersten Aufnahmen für das in Dallas ansässige Label Talent, das Jim Becks Studio nutzte, ausschließlich Lieder aufnahm, die mit Rodgers in Verbindung standen. Die von Riley ausgewählten Lieder waren “Waiting For A Train“, “In The Jailhouse Now“, “Mule Skinner Blues“, “Away Out On The Mountain“, “T For Texas“ und “T.B. Blues“.
Zahlreiche Columbia-Aufnahmen entstanden in diesem Studio, und hier begann der große Don Law, seinen bald bekannten Honky Tonk-Sound mit Geige, Steelgitarre und Klavier zu entwickeln.
Riley feierte 1949 mit “Shackles And Chains“ einen beachtlichen lokalen Erfolg. Don Law erkannte schnell Crabtrees großes Talent und veranlasste eine Neuaufnahme des Liedes für Columbia am 13. November 1950. Obwohl “Shackles And Chains“ keinen Charterfolg erzielte, führte dies dazu, dass Riley eingeladen wurde, der Band beizutreten.
Obwohl er gerne in der Grand Ole Opry auftrat, zog es den Texaner vor, in der Nähe seiner Heimat zu bleiben. So engagierte er sich beim berühmten „Big D“ Jamboree von KRLD und teilte sich die Bühne mit Größen wie Hank Locklin, Charline Arthur und Sonny James.
Leider verkauften sich Rileys Columbia-Aufnahmen nicht gut genug, um Don Law zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen, und seine letzte Session fand am 15. November 1953 statt.
Zwei Jahre später unterschrieb Riley beim West Coast Label Ekko, und diese Zusammenarbeit hielt bis 1965.
Danach veröffentlichte der Künstler bei verschiedenen Independent-Labels wie Country Picnic, Van-Dan und Cheatham.
Rileys Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends, und er erlitt schließlich einen Schlaganfall, der ihn an den Rollstuhl fesselte. Am 01. April 1984 starben er und zwei Freunde bei einem Brand, der durch eine defekte Heizdecke verursacht wurde. Es war ein trauriges Ende für einen Mann, der zwar ein begnadeter Songwriter und Interpret war, aber Mühe hatte, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und seine Familie zu ernähren.
Gesanglich war Riley Crabtree extrem vielseitig und beherrschte alles von gefühlvollen Country-Balladen bis hin zu mitreißenden Rockabilly-Nummern. Faszinierend ist auch, dass auf “Meet Me At Joe's“ ein sehr junger Eddie Cochran die Leadgitarre spielt. Weitere Ohrwürmer sind “She Loves Me Better“, “I've Lived Two Days In One“, “Something Tells Me“, “Tatttle Tattle Tail“ und “Try Me“, wobei das erste ein Original von Crabtree ist und er die anderen beiden mitgeschrieben hat.
Als Songwriter und Musiker war Riley Crabtree ein echter Allrounder, dessen Repertoire von Country-Balladen über Gospel bis hin zu den späteren Rockabilly-Klassikern reichte.
Ich gebe offen zu, dass ich zwar Crabtrees Namen kannte, aber nichts über seine Musik wusste und bin Leuten wie Big Al Turner und anderen für ihre Recherchen über diesen tragischen Menschen sehr dankbar. Nachdem ich Riley Crabtree gehört habe, bin ich überzeugt, und seine Musik wird demnächst in meiner Radiosendung „Same Roots, Different Fruits“ gespielt werden.
Bryan Chalker (Sourer Valley 97.5FM und Radio Caroline), Juli 2017
Gruß
Heino