In Göteborg

 
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In Göteborg

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Gepostet: 16.04.2006 - 16:38 Uhr  ·  #1
...in Göteborg

Inzwischen hatten die Frazers ihr festes Publikum, und darunter zählte auch der Fabrikant Gunnar Svensson aus Göteborg, der eine Kunststoffabrik besaß. Eines Abends lud er Bo, Björn, Bob und Ove zu sich ein. Unbekümmert sprachen die Frazers u.a. auch ihr Problem mit dem Übungsraum an, sie hatten keinen Platz um ihre Songs einzustudieren. Zuhause ging es nicht, die Eltern wollten verständlicherweise nicht gestört werden. Der Fabrikant schlug ihnen vor, doch in der Werkshalle nach Feierabend zu spielen. Welch ein Vorschlag! Alle nahmen diese Offerte freudig an. Gunnar hatte in der Folgezeit ein sehr gutes Verhältnis zu den vier Musikern, er fuhr sogar öfters das Auto, in dem sie herum reisten. Es kam das Jahr 1960, die Ventures hatten gerade ihren Millionseller „Walk Don't Run" aufgenommen und die Shadows mit „Apache" einen Riesenhit. Elvis schlug eine etwas weichere Welle mit „O Sole Mio" an, Cliff bat „Please Don't Tease" und die Everly Brothers hatten „Cathy's Clown" in den Charts. Und die Frazers machten ihre ersten `plattenreifen' Aufnahmen, aber nach Hausmacher Art, in der Fabrik. In der Halle wurden Hall¬ und Echoeffekte noch wesentlich verstärkt, man konnte es deutlich auf diesen ersten Aufnahmen hören: „Ghost Riders In The Sky" und „The Old Spinning VVheel", beide instrumental gespielt, sowie die von Bob Lander gesungenen Titel „Home On The Range" und „My
Old Kentucky Home". Es waren ausschlißlich Titel aus dem Country & Westernbereich und das sollte sich in der Zukunft auch nicht mehr ändern. Diese Titel wurden den Verantwortlichen der schwedischen Karussell¬ Plattenfirma vorgestellt. Man konnte es sich kaum vorstellen, daß diese Aufnahmen in einer Fabrik entstanden, und dazu noch ohne professionelles Studio. Die Aufnahmetechniker waren vorbehaltlos begeistert.

Inzwischen hatten sich die vier Schweden von Stig Andersson getrennt, er hatte die Geschäfte nicht mehr so ganz in ihrem Sinne betrieben. Aber das machte Andersson nichts aus, er hatte sich bestimmte Rechte an den ersten Karussellaufnahmen schon an Land gezogen.

Roland F. Ferneborg aus Stockholm hatte die Frazers schon einige Male gesehen, mit ihnen Kontakt aufgenommen und sie auch überredet, die Musik professionell zu betreiben. Er wurde ihr neuer Manager und es zeigte sich auch in der Zukunft, daß diese Zusammenarbeit wesentlich erfolgreicher war. Zunächst `verpaßte' er der Gruppe mehr Schliff bei ihren Auftritten, erste Showelemente wurden sichtbar. Und ein neuer Name für die Gruppe wurde auch bald gefunden.

Bei Verhandlungen mit der Firma Karussell meinte ein Techniker, daß der Name `Frazers' international kaum etwas hergeben würde. Er schlug auch vor, doch anläßlich ihres Gründungsjahres den Namen „THE SPOTNICKS" zu nehmen. Dieser Vorschlag wurde akzeptiert und Roland Ferneborg behielt sich sozusagen ein Copyright auf diesen Namen vor. Es sollte sich ferner zeigen, daß der Name gut zu dem Sound der Gruppe paßte und durch weitere Änderungen in ihrem Auftreten die ganze Spotnickssache abgerundet wurde.

Im Jahre 1961 erhielten die Spotnicks ihr erstes Engagement im Ausland. Roland Ferneborg brachte sie nach Berlin ins Casa Leon, wo sie im Frühsommer zwei Monate lang spielten.

Ungefähr zur gleichen Zeit erschienen auch die ersten Singles der Spotnicks auf dem schwedischen Markt. Weitere Aufnahmen waren während ihrer Reisen entstanden, beispielsweise nachmittags in einem Tanzsaal, als niemand dort war. „Hey Good Looking", „My Bonnie" und „I'm Comming Home to See My Baby" - alles Vokaltitel - gehören dazu. Auch in Ferneborgs Privatstudio entstanden Titel wie „High Flying Scotsman", daß Ferneborg unter dem Pseudonym 'Gusten' zusammen mit Bo Winberg komponiert hat, oder „Thundernest", ein englischer Name für Ferneborgs Sommerhaus `Dunderboo'. Weitere Aufnahmen entstanden wieder in der Kunststoffabrik, unter anderem „Endless Walk", Bo Winbergs „The Spotnicks Theme" – ein Eröffnungsinstrumental für Ihre Shows - und „Galloping Guitars". Alle diese Titel erschienen bis Anfang 1962 auf Karussell. Für Finnland hatten die Spotnicks zwei weitere Titel aufgenommen, für die Veröffentlichung aber ihren Namen geändert, und das nicht ohne Grund. Die Titel waren „Kon-Tiki" von den Shadows und ein russisches Lied „Theme From Leningrad". Damit es nicht heißen sollte, die Spotnicks spielen nur Shadowstitel nach, setzte man bei dieser finnischen Philipsveröffentlicung den Namen 'The Feenades' ein.

Auch in Holland gab es 1961 die ersten Spotnicksaufnahmen auf Philips-Schallplatten. Als ' The Rocking Cowhands' erschienen dort zunächst „Home On The Range" und „Swing Low Sweet Chariot", später folgte unter ihrem richtigen Namen dann „The Old Spinning Wheel" und „My Old Kentucky Home". Die weiteren Spotnicksaufnahmen wurden dann ab 1962 in Holland von der Firma CNR vertrieben. Nach ihrem Gastspiel in Berlin machten die Spotnicks Ihre erste große Tournee durch Schweden, diesmal als Begleitband eines schwedischen Sängers, der Charlie Kyllestierna hieß. Später begleiteten sie einen weiteren Sängerstar namens Peter Winsnes, der später als Organist zu den Spotnicks stoßen sollte. Während dieser Tourneen spielten die Spotnicks schon teilweise ihre eigenen Titel, besonders gut kam damals ihre Version des Floyd Cramer Hits „Last Date" an. Später wurde dieser Titel dann auch in Paris für eine Schallplatte aufgenommen. Anfang 1963 merkte Roland Ferneborg, daß „Telstar" von den Tornados in England und Amerika zu einem großen Hit wurde. Er schlug Bo Winberg vor, diesen Titel ebenfalls im Spotnickssound aufzunehmen. Mit Ove Johansson ging Bo dann in Ferneborgs Wohnung und nahm diesen Titel sowie „Carry Me Back To Old Virginny" buchstäblich über Nacht auf. Bo spielte alle Instrumente selber, und da Ove das Schlagzeug vergessen hatte, nahm er einfach zwei halb gefüllte Streichholzschachteln und schlug damit den 'tic-tac' - Sound. Einfach originell und effektvoll dazu! Das Dumme war nur, daß sie später diese Titel nicht auf der Bühne spielen konnten, zum einen hatte die gesamte Gruppe das Stück nicht einstudiert, zu anderen fehlte da jemand mit einer Orgel. Die Single mit diesen beiden Titel erschien 1962 wieder unter einem anderen Namen auf dem schwedischen Markt, diesmal hießen sie 'The Shy Ones'. In England gab es später weitere Spotnickstitel unter diesem Namen.
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