Fortsetzung (von Günter Schiemenz)
Doch auch die eigene Karriere von Ingrid Lutz entwickelte sich. Es war kein Wunder, dass auch sie die Tanzerei als Beruf wählte. Als Mitglied von Tanzgruppen machte sie Tourneen durch halb Europa. Zu ihren Kolleginnen gehörte auch Maria Litto, die in den späten 40er und gesamten 50er Jahren die wohl bekannteste Tänzerin des deutschen Musikfilms war.
Eines Tages sah Heinz Rühmann die junge Ingrid auf der Bühne, fand Gefallen an ihr und verschaffte ihr Probeaufnahmen in Babelsberg, die offensichtlich ein positives Ergebnis brachten. Rühmann förderte in den folgenden Jahren immer wieder ihre Karriere. in seinem Film „Ich vertraue dir meine Frau an“ (1943) hatte sie ihren ersten, wenn auch recht kurzen Auftritt.
Kurz danach starb dann plötzlich ihr Vater, und mehr denn je war sie auch dazu gezwungen, sich um ihre eigene berufliche Entwicklung zu kümmern. Aber alles lief recht positiv. Sie machte eine Reihe von weiteren Filmen, bis dann die Kriegsentwicklung alles zum Stillstand brachte.
Direkt nach Kriegsende war es dann wieder wichtig, wieder Boden unter die Füßen zu bekommen. Zunächst entwickelte sich eine Gesangskarriere. Ingrid Lutz fand schnell Kontakt zu Michael Jary, der gerade erst das Radio-Berlin-Tanzorchester (RBT-Orchester bzw. ganz kurz RBT) gegründet hatte, das er aber nur wenige Monate leitete. Jedenfalls wurde Ingrid Lutz (eine) Sängerin des RBT-Orchesters. Sie macht eine Reihe von Rundfunkaufnahmen, trat aber natürlich auch bei öffentlichen Auftritten auf.
Dabei kam es dann auch zu der kurzen gemeinsamen Zusammenarbeit mit Bully Buhlan. Ihre drei gemeinsamen Aufnahmen („Du bist zwar nicht Clark Gable“, „Tampico“ und vor allem „Gib’ mir einen Kuß per Telefon“) belegen, wie gut die beiden musikalisch miteinander harmonierten. Auch auf Tournee traten sie zusammen auf.
Praktisch parallel zur Arbeit mit dem RBT-Orchester entwickelte sie auch wieder ihre Schaupieler-Tätigkeit. Bereits im August 1945 probte sie bereits als Teil eines Ensembles, das Heinz Rühmann um sich geschart hat, um eine Tournee mit seinem Erfolgsstück „Der Mustergatte“ durchzuführen. Mit von der Partie waren noch Hertha Feiler (Rühmanns Ehefrau), Alexa vom Porembsky, Werner Fuetterer und Harald Sawade. Diese Tournee führte durch die Sowjetische Besatzungszone. Wie berichtet wird, war vor allem Ingrid Lutz der optische Anziehungspunkt für viele sowjetische Soldaten und natürlich auch anderen männlichen Besuchern.
1947 kam es dann zu einem kurzen Ehe-Intermezzo. Ganze sieben Monate war sie mit Dr. Wolfgang Wohlgemuth verheiratet, der 1954 zu Deutschland-weiter Bekanntheit durch die John-Affäre kam. (Dr. Otto John, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, tauchte plötzlich in der DDR auf und erklärte sein „Überlaufen“ mit dem fehlenden Willen in der Bundesrepublik, eine Wiedervereinigung Deutschlands herbeizuführen. Ende 1955 setzte sich John wieder aus der DDR ab und erklärte – wieder im Westen – er sei von Dr. Wohlgemuth unter Drogen gesetzt und in die DDR entführt worden.)
Erstaunlicher Weise kam es für die vielseitig begabte Ingrid Lutz nicht zu einer Schallplattenkarriere. Offensichtlich drängte es sie eher in die Schauspieler-Richtung. Den Rest der 40er Jahre war sie vor allem mit Theater-Tourneen beschäftigt.
Und dann gelang es ihr auch schließlich im Filmgeschäft wieder Fuß zu fassen. Während der gesamten 50er Jahre drehte sie praktisch einen Film nach dem anderen. Mal waren es größere Rollen, mal waren es kleiner Rollen. Der musikalische Bezug trat dabei jedoch mehr und mehr in den Hintergrund. Zwar stellte sie recht häufig Revue-Girls und Sängerinnen dar, doch blieben das immer Episoden.
Ein richtiger Star wurde sie nicht, aber ihr Name und ihre Gesicht waren bekannt. Immerhin so bekannt, dass auch sie (wie viele andere Schauspielerinnen) auch Werbung für Luxor-Seife machen konnte.
Doch 1960 klang die Filmkarriere von Ingrid Lutz aus. Sie zog sich in ihrer dritten Ehe mit einem Textilkaufmann von der Leinwand zurück.
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