Hallo,
ich möchte den Termin nicht verpassen und stelle den Text schon heute ein:
Aus der örtlichen Presse von Kristian Teetz:
Tänzerin, Spionin, lebensfrohe Frau: Josephine Baker
Im von Lust, Lebensfreude und Lasterhaftigkeit durchschüttelten Babylon-Berlin der Zwanzigerjahre war sie ein Star. Sie zählte erst 19 Jahre, als sie im Nelson Theater am Kurfürstendamm in Berlin auf der Bühne stand. Josephine Baker spielt mit den Klischees, die damals über afrikanische oder afrikanischstämmige Menschen existieren und tanzt ekstatisch, nur mit einem Bananenröckchen bekleidet, auf der Bühne.
1906 in ärmlichen Verhältnissen in St. Louis im US-Bundesstaat Illinois geboren, wird sie schon früh Zeugin rassistischer Aus- und Überfälle in ihrer Heimat. Mit 16 entdeckte sie, dass man mit dem Tanzen Geld verdienen kann, ihre Laufbahn begann am Standard Theatre in Philadelphia, Auftritte in New York folgten.
Und dann Paris: In den Zwanzigern verzauberte Josephine Baker sowohl das Pariser als auch das Berliner Publikum. Sie zeigte Europa den Charleston und begeisterte mit ihren ausgreifenden, ausufernden Performances. Doch die Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg veränderten auch ihr Leben.
Baker, seit 1937 nach ihrer Heirat mit einem Industriellen französische Staatsbürgerin, ging in den Widerstand, schloss sich der Résistance an und arbeitete sogar für den französischen Geheimdienst. „Ihre Bereitschaft, sich ohne Wenn und Aber in die Dienste der Spionageabwehr zu stellen, ist der unwiderlegbare Beweis dafür, dass sie nun endgültig zur Französin geworden war“, schreibt der französisch-amerikanische Gastronom Jean-Claude Bouillon-Baker, dessen gesetzlicher Vormund Josephine Baker war, in deren Memoiren, die sie gemeinsam mit Marcel Sauvage verfasst hat. Sie sind unter dem Titel “Tanzen, Singen, Freiheit“ (Reclam, 281 Seiten, 26 Euro) gerade neu erschienen.
Der Lohn für ihr Engagement im Widerstand: Als erste schwarze Frau wurde sie 2021 in den Pariser Panthéon aufgenommen, die Ruhmeshalle berühmter französischer Persönlichkeiten.
Baker war am 12. April 1975 an einer Gehirnblutung gestorben, ihr Todestag jährt sich nun also zum 50. Mal.
„Welcher Zeitgenosse hätte noch vor Kurzem gedacht, dass "Der Paradiesvogel", "Die schöne Wilde", "Die Schwarze Venus", das "Idol der Ironie and des Goldes" je ins Pantheon einziehen würde? Am 30. November 2021, einem Dienstag, sagten Paris und Frankreich ihr nicht „Adieu“, wie 46 Jahre zuvor auf den Stufen der Madeleine, die damals geschmückt war für ein nationales Staatsbegräbnis - sondern begrüßten sie an jener neuen, ewigen Ruhestätte, die sie nun beziehen würde. Die französische Nation ehrte sie und stellte sie damit den großen Wohltätern der Allgemeinheit „gleich“, so Jean-Claude Bouillon-Baker weiter.
In einem Interview mit Wolf Mittler aus dem Jahr 1963, das noch auf Youtube zu sehen ist, erscheint Baker als fröhliche und zugewandte Frau. Sie hatte im Laufe ihres Lebens zwölf Kinder adoptiert. Jean-Claude Bouillon-Baker beschreibt sie so: „Ihr Leben war geprägt von einer bedingungslosen Hingabe und Zärtlichkeit für jene, die ihr nahestanden und sie umkreisten, den magnetischen Sonnenstern, beunruhigend und nahe, vertraut und doch rätselhaft.“
Gruß
Heino