Hallo,
aus der Jazz-Fibel Berendt/Huesmann:
Sarah Vaughans Glanz hat viele andere, nicht minder vorzügliche Sängerinnen überstrahlt. Dies gilt vor allem für Carmen McRae, die übrigens einige Jahre mit Kenny Clarke, dem Schöpfer der Bebop-Drumweise, verheiratet war.
Auch sie ist eine der großen Individualistinnen des klassischen modernen Jazzgesangs. Besonders beeindruckend bei der (1994 verstorbenen) Carmen McRae ist das Robuste und Resolute ihrer Aussage. Sie war eine Meisterswingerin, die ihren Songs selbst dann, wenn sie heiter daherkamen, eine dunkle, sarkastische Tönung geben konnte. Ihre Improvisationen sind Statements - sie haben etwas Definitives und Machtvolles. „Sing den Song - und lass ihn für sich stehen“, pflegte sie jüngeren Jazz-Sängerinnen zu sagen, die bei all dem instrumentalen Einsatz ihrer Stimme fast zu vergessen schienen, worum es in den Lyrics eigentlich ging. Der Kritiker Nat Hentoff hat Carmen McRae einmal mit „einer exotischen Galionsfigur am Bug eines New England-Walfängers“ verglichen, was die kraftvolle Originalität ihres Gesangs gut kennzeichnet.
Gruß
Heino