Zitat geschrieben von Heino Fritz
Hallo,
Herrn Neumann können wir leider nicht mehr fragen. Er ist übrigens nicht der "Insulaner"-Neumann:
NEUMANN, KLAUS-GÜNTHER * 30.06.1920 in Berlin, + 03.07.1995 in Berlin,
Musiker, Komponist, Textautor,
Abitur, Musikstudium,
Schauspielschule des Deutschen Theaters,
1939-45 Wehrdienst,
1946-50 KadeKo,
zwischendurch von 1947-52 eigenes Kabarett im Greifi/Berlin,
ab 1949 NWDR Berlin-"Der Klavierende Bürgermeister",
1953 erste Live-Sendung aus dem Berliner Sportpalast (Komponist, Buch u. Interpret),
1962-64 als Redakteur Mitaufbau des ZDF,
freier Komponist u. Textautor u.a. "Wunderland Bei Nacht"-1960, "Tulpen Aus Amsterdam"-1957 (mit RALF ARNIE),
Gesang auf Opera, Pan,
ZDF-Musiken u.a. "3 x 9",
Schallplatten-Produzent mit eigener Firma,
Ps.: GÜNTER REITMANN
Und nun der von den Insulanern:
NEUMANN, GÜNTER * 19.03.1913 in Berlin, + 17.10.1972 in München,
Pianist, Komponist, Drehbuchautor, 1929 Debüt im Nachwuchsstudio des KadeKo, 1931 u. 1933 Pianist in der Katakombe, 1932/33 Kohlkopp, 1933 bei Trude Hesterberg ("Musenschaukel"), 1935 Tingeltangel-Theater, 1937 Autor für das KadeKo, 1938 Drehbuch zu "Paradies der Junggesellen", 1938 Heirat mit TATJANA SAIS (Trauzeuge: WERNER FINCK), zu Kriegsbeginn Wehrmachttournee (Truppenbetreuung), ab 1944 Soldat, April 1945-Herbst 1946 US-Kriegsgefangenschaft, Lagerkabaretts, 1946 Kabarett Ulenspiegel in Berlin, 1947 zusammen mit HEINRICH RIETHMÜLLER Revuearbeit an zwei Klavieren, 1947 Texte für die Dachluke, 1947 eigene Kabarettrevue, 1947/48 Revue "Schwarzer Jahrmarkt" im Ulenspiegel, 1948 Drehbuch zum Film "Berliner Ballade", 1948 zusammen mit RUDOLF NELSON Kabarettrevue "Berlin Weh-Weh", aus der RIAS-Hörfunksendung entwickelt ab 25.12.1948-64 Funk-Kabarettensemble Die INSULANER, Comback-Versuche 1963 u. 1968 scheiterten, 1949 Texte für die Mausefalle, 1953 Texte für den Nürnberger Trichter, 1954 Texte für die STACHELSCHWEINE, 1965 Texte für die Wühlmäuse, weiterhin Mitarbeit an Drehbüchern ("Berliner Ballade"-1948, "Das Wirtshaus Im Spessart"-1957, "Wir Wunderkinder"-1958, "Das Spukschloß Im Spessart"-1960) u. Filmmusiken u.a. "Der Engel, Der Seine Harfe Versetzte"-1958, CDs "Günter Neumann und seine Insulaner-Aufnahmen aus den Jahren 1948-64"-1995 (8 CD-Box), "Günter Neumann und seine Insulaner"-1997, "Der Insulaner Verliert Die Ruhe Nicht-Schlager und Zeitdokumente der Blockadejahre"-1998 auf Bear Family Records, 1951 Silberlorbeer der Berliner Filmfestspiele, Ps.: GÜNTER CHRISTIAN LUDWIG ("Das Wanderlied Einer Hausfrau"-1957)
Gruß
Dietrich
Ich danke für diese Aufklärung - über die beiden. Bereits in den 1950er Jahren wurde in unterschiedlichen Tageszeitungen (in Berlin) darauf hingewiesen, dass es zwei Kabarettisten gleichen Namens gibt. Geholfen hat das bis in die 2000er Jahre nichts. Es ist ja auch fatal, dass beide in der selben Stadt und im selben Metier aktiv waren, bzw. politische Aktivisten waren. Großer Unterschied ist allerdings der Fakt, dass der Insulaner Neumann reich und berühmt wurde, wohingegen Klaus-Günter Neumann bereits in den 1960er Jahren zurück zum Klamauk ging, musikalisch gesehen. Wie bereits nach dem Krieg schrieb er wieder "Matchohaft Witziges". Wie bei vielen anderen Humoristen gab es auch bei Klaus Günter Neumann Überschneidungen zwischen schnöden Klamauk, charmant Vulgären und politischen Kabarett. (Anmerk.: Selbst Erich Kästner hat in seinem „Marschlied 1945“ die unbeachtete Textzeile „wenn die ander’n leben müssten, wie wie es uns acht Jahr geschah, …doch wir wollen uns nicht brüsten, den dazu ist die Brust nicht da…“. Letzteres war eher etwas für die junge Sub-Kultur in Berlin, kleinen wohlgesonnenen Kreisen und aufmerksamen Bürgern. Wohingegen eingängige Melodien und textliche Ohrwürmer gelegentlich zu Schlagern für Jedermann wurden. Klaus Günter Neumann hatte 1949 das Glück bei der Telefunken sowohl Politisches, z.B. „Jeder Staatsmann müßte Waldhorn blasen können“ (Telefunken, Matrix Nr. 35547) als auch Klamauk aufzunehmen, wie z.B. „Jeder Mann macht mal ‘nen Seitensprung“ (Telefunken, Matrix Nr. 35548). Siehe/höre YouTube.
Klaus Günter Neumann und Wolfgang Müller waren nach dem Krieg beim altetablierten KaDeKo. Und beide machten auch außerhalb des KaDeKo gemeinsame Sache, wie z.B. ab 1947 in der altetablierten „Greifi Bar“ in der Joachimsthaler Straße 41, unweit vom bekannteren „Ulenspiegel“ in der Nürnberger Str. 50-51. Im Greifi wurden in den ersten Jahren kabarettistische Revuen und Parodien, Sketsche aufgeführt wie z.B. 1948 „Die Luftbrücke“. Für dieses kabarettistische Bühnenstück, bei dem Wolfgang Müller die Regie führte, schrieb Klaus Günter Neumann das Titellied. Ein so genanntes Interlude, also ein "Zwischenspiel" basiert auf der Melodie des beinahe 100 Jahre alten Volksliedes „Auf de schwäbsche Eisenbahne“. Hier ein Text-Auszug vom Titellied:
Hört ihr die Motoren summen über uns weg
Denkt ihr dieses brummen bringt uns Butter und Speck?
Denkste, denkste, Backobst für Großberlin!
Haltet aus, haltet aus, haltet aus im Luftgebraus!
Seht nach West, und bleibt fest, denn sonst gibt man euch den Rest!
Wir woll’n hart wie unsere Freunde sein
Denn die lassen sich auf alles ein
Haltet aus im Luftgebraus
Es kommt doch nüscht dabei raus
Brücken die in Lüften liegen bring Rosinen, lieber Schatz
Manches sollten wir schon kriegen doch die Skymaster hat keen Platz!
Neumanns und Müllers Kabarettprogramm über die Luftbrücke fand bislang keinerlei Erwähnung in Dokumentationen über die Luftbrücke. Und dies, obwohl eine Tonaufzeichnung vom Titellied sowie Fotos aus dem Greifi (von Harry Croner) veröffentlicht wurden.