Hallo,
wunderschöne Scans von Ursula Maury, auch mit ihrem Traumpartner Peter Manuel.
Wissen wir schon etwas über die beiden Interpreten?
MAURY, URSULA (URSULA MAURY-BOLDT) * 06.02.1916 in Berlin, Sängerin,
Vater Johann französischer Abstammung, deutsche Mutter,
studierte Gesang bei Gertrud Kalam,
1938 Heirat mit dem Architekten Heinrich Boldt,
941 Geburt eines Sohnes,
während der letzten Kriegsjahre erlernt sie durch eine Freundin die russische Sprache,
Mitwirkung bei kleinen Shows für kranke Soldaten, ihr Mann fällt im Krieg,
nach Kriegsende trägt sie in Zeuthen-Königs Wusterhausen (Vorort von Berlin) russische Lieder vor, Arbeitserlaubnis als Sängerin,
Rückkehr in die Berliner Wohnung,
bedingt durch die Sprachkenntnisse erhält sie einen Job in einem Internationalen Club im russischen Sektor, während der Mahlzeiten unterhält sie die Gäste mit ihren Liedern in vier Sprachen,
1946 als Gesangtalent beim RIAS,
Siegerin unter 20 Bewerbern im Talent-Wettbewerb "Urteilen Sie Selbst",
langsam beginnt ihre Karriere im Genre Tanz- und Unterhaltungsmusik,
Nov. 1947 Wohnungswechsel nach Berlin-West,
1948 erste Schallplattenaufnahme für Telefunken ("I Hab Rote Haar" /"Möwe, Du Fliegst In Die Heimat"-insgesamt werden fünf Schallplatten aufgenommen, auch im Duett mit PETER MANUEL "Im Hafen Von Adano"),
in der Folge Exclusiv-Verpflichtung durch die Electrola G.m.b.H,
ab Ende 1948 erste Aufnahmen als Refrainsängerin mit dem Orchester WILLI STANKE (ohne Nennung ihres Namens) für Columbia, erst auf der 4. Schallplatte ("Sing Das Lied Von Carolina"/"Ein Kleines Rendevouz Im Regen") wurden die Gesangpartner URSULA MAURY/PETER MANUEL namentlich herausgestellt,
in der Folge etliche Schallplatten mit PETER MANUEL als Duettpartner (u.a. "Winke Winke", "Eine Weiße Hochzeitskutsche"-1951, "Übers Jahr, Wenn Die Kornblumen Blühen"),
mannigfache Aufnahmen für Columbia, Electrola u. Odeon mit den Orchestern von KURT DRABEK,
1952 Kauf eines ersten Autos,
bis 1956 Amiga (u.a. "O Mein Papa", "Jolly Jaqueline", "Der Student Von Paris", "Schnürlregen"),
Tefi-Schallband,
1962 Philips 345555 ("Die Kleine Mutti"/"Sag’ Mama" & Die Kleine KARIN ROTHER),
später Todeskampf gegen eine Embolie überstanden, Genesung in Alicante/Spanien
Electrola
7 MW 512 Kuckuckswalzer (Jonasson-Ronnay)
Ihr Alten Straßen (Vor I Gamla Sto’n)
& PETER MANUEL
& PIERRE BLANCHARD u.s. Orchester
7 MW 514 Du Schwarzer Zigeuner (Vacek)
& PETER MANUEL
& ADOLF WREEGE und sein Orchester
Hör’ Mein Lied, Violetta (Klose-Lukesch)
ADOLF WREEGE und sein Orchester
7 MW 515 Zarina (Dorel)
& PETER MANUEL
Im Blauen Meer Liegt Mein Hawaii (Loubé)
& PETER MANUEL
& Das Orchester HANS STEINKOPF
7 MW 509 Riesengebirglers Heimatland (Hampel-Fibiger)
E 20011 ’s Ist Feieromd (Günther)
& PETER MANUEL
& ADOLF WREEGE und sein Orchester
45-EG 7519
E 20063 Auf Wiedersehn (Storch)
Einmal Bin Ich Groß (Carste)
& Die Schöneberger Sängerknaben, Hans Carste und sein Orchester,
Heinrich Riethmüller, Orgel
Ursula Maury nahm 1955 als erste eine Nummer von Günter Loose auf: "Ein kleiner Negerjunge träumt von einer Schneeballschlacht".
Sie sang mit "Zähl' jeden Stern" die deutsche Version von "Count every star" (Original: Dick Noel& Ray Anthony Orchestra) ein. "Count every star" war allerdings bereits ein englisches Cover von "Tout ça", gesungen von Germaine Sablon und geschrieben von Bruno Coquatrix, dem Chef des legendären "Olympia" in Paris.
Sie interpretierte mit "Sieben einsame Tage" die deutsche Version von "Seven lonely days" von Georgia Gibbs.
Und hier der Text eines mir unbekannten Autoren:
Ursula Maury ist so etwas wie eine vergessene Sängerin. Sie hatte in ihrer aktiven Zeit vergleichsweise viele Plattenaufnahmen gemacht, doch auf den Wiederveröffentlichungen auf CDs ist sie praktisch nicht vertreten. Einen wirklichen Hit, den man mit ihrem Namen in Verbindung bringt, hatte sie nicht. Häufig nahm sie Lieder auf, die auch von anderen, bekannteren Interpretinnen gesungen wurden. Dabei sang sie nicht etwa für Billig-Labels sondern in den späten Vierzigern und frühen Fünfzigern für einige der renommiertesten Plattenfirmen überhaupt.
Ursula Maury kam aus einer französisch-stämmigen Familie, die über Polen nach Deutschland kam. Ihr Großvater musste wohl aus Paris fliehen und siedelte sich in Warschau an, ihr Vater zog wieder nach Westen, genauer gesagt nach Berlin. Ursula kam am 6. Februar zur Welt. Die junge Ursula sang zwar bei diversen Feierlichkeiten, aber an eine professionelle Karriere als Sängerin war zunächst nicht gedacht. Sie strebte stattdessen eine Laufbahn als Tänzerin an und begann auch eine entsprechende Ausbildung, die sie aber nicht abschloss.
Ursula Maury heiratete schließlich einen Architekten und wurde Mutter eines Sohnes mit Namen Kurt. Eigentlich waren die Weichen in Richtung einer ausgesprochen bürgerlichen Existenz gestellt. Doch dann kam ihr Mann im Krieg ums Leben - außerdem wurde das Haus der Familie zerstört. Bei Kriegsende stellte sich dann entschieden die Frage, wie es weitergehen sollte. Der Berliner Radio-Sender RIAS veranstalte einen Nachwuchssänger-Wettbewerb mit dem Titel „Urteilen Sie selbst!". Das heißt, die Zuhörer entschieden. Ursula Maury nahm an der Aktion teil -- und gewann. Das führte dann zu Engagements in der Berliner Rundfunk-Szene. Doch sie ging auch auf Tourneen, um erklärtermaßen in ganz Deutschland bekannter zu werden.
Wie das bei hoffnungsvollen Nachwuchskünstlern nun einmal ist, sind die Besprechungen und Prognosen am Anfang sehr positiv. Die Zeitschrift „Vier Viertel" (siehe auch obigen Scan) beschrieb das 1948 einmal wie folgt: „Ursula Maury sang. Ein neuer bisher noch unbekannter Name. Eine neue Stimme voll persönlicher Färbung voll warmer, satter Leuchtkraft im Timbre, die aufhorchen ließ. Und man hörte es sofort, hier klingt eine künstlerische Entwicklung nicht aus, sondern sie hebt erst an. Und sie wird weiter tönen, sie wird weiter auf der Tonleiter des Erfolges aufsteigen, umso mehr, da Ursula Maury seitdem schon die ersten Stufen mit beschwingter Leichtigkeit genommen hat." Ganz so wie prognostiziert lief es dann doch nicht, doch sie konnte von den späten 40er Jahren bis etwa 1956 regelmäßig Schallplattenaufnahmen machen. Während sie für Amiga vor allem Soloaufnahmen machte, ist sie ansonsten meist in Duetten mit Peter Manuel (über den mir aber keinerlei Informationen vorliegen) zu hören. Das in den 50er Jahren für die Popularität sehr wichtige Auftreten in Spielfilmen blieb Ursula Maury komplett versagt.
Im 59er Electrola-Katalog ist sie noch mit sieben Aufnahmen, die aber schon einige Jahre zurückliegen, vertreten. Danach liegen mir keine weiteren Angaben über die Sängerin mehr vor. Es gibt aber noch eine Information, aus der man schließen kann, dass Ursula Maury sich wohl eher eine Karriere im Kabarett- / Kleinkunst-Bereich gewünscht hätte. Sie gab nämlich einmal die Chansonsängerin Olga Rinnebach (1899 - 1957) als ihr künstlerisches Vorbild an.
Über ihren Duett-Partner ist nur wenig bekannt:
MANUEL, PETER (ERICH MAUL) * 30.10.1905 in Hirschberg, + 196?, Sänger mit der Tenorstimme, 1947 Schubert-Lieder,
Solist u. Duettarbeit mit URSULA MAURY (u.a. "Eine Weiße Hochzeitskutsche", "Die Fischerin Vom Bodensee"-1951 (& zusätzlich UDO VIETZ), "Tamara"-1951 (& zusätzlich FRED VINOM), "Du Kleines Schwalbenpaar"-1951),
Schallplatten für Odeon, Columbia (u.a. "Am Zuckerhut"), Electrola (u.a. "Nimm Mich Mit Zu Den Blauen Bergen" & Das GOLGOWSKY-QUARTETT), Pathé u. Telefunken (u.a. "Capri-Fischer", "Im Hafen Von Adano", "Ich Hab’ Mein Herz In Heidelberg Verloren"-1952), Tefi-Schallband (u.a. "Die Große Tefi-Revue"),
Programmgestalter beim RIAS, stirbt vor dem Erreichen der Rentengrenze
Abb.: Ursula Maury & Peter Manuel
Gruß
Heino
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