Philips Nummernvergabe

 
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Re: Philips Nummernvergabe

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Gepostet: 13.12.2012 - 18:59 Uhr  ·  #13
Hallo Chris!
Ich hoffe du bist mir nicht böse, wenn ich über deine Formulierung "um Lücken im Single-Katalog zu vermeiden" ein wenig schmunzle. PHILIPS ist nämlich der größte vielleicht sogar der einzige Lückenproduzent (einschließlich seiner Sub-Labels wie FONTANA) den es in der Rocknroll-Ära gegeben hat, das ist aber relativ leicht erklärbar. Bei PHILIPS wurden nämlich die Nummern in Eindhoven zentral für Gesamt-Europa vergeben und daher sind Lücken automatisch vorprogrammiert. Kontinuität könnte es nur für Gesamt-Europa geben. Dein hongkonger Beispiel könnte darauf hinweisen, dass zum Teil auch außereuropäische Länder einbezogen wurden, was die großen Lücken noch besser erklären würde. Auch die Briten die auf eine eigene Nummerierung bestanden, mußten die eindhovner Nummer auf ihren Label anführen.
Zur Veranschaulichung kurz ein Beispiel (gilt nicht nur für die USA sondern auch für europäische Länder untereinander):
PHILIPS (D)
?? 58….322 335 BF….FRANKIE LAINE und Orchester..Rawhide/Shine (COLUMBIA 41230/LP 975)
?? 59….322 456 BF….FRANKIE LAINE..My Little Love/Journey's End (COLUMBIA 41376)
Die britische PHILIPS wünschte sich aber die folgende Koppelung und bekam dafür auch eine Nummer:
10 59….45-PB.965….322 498….FRANKIE LAINE with Jimmy Carroll and his Orchestra..Rawhide/FRANKIE LAINE..Journey's End (COLUMBIA 41230/41376)

Abgesehen von solchen Sonderfällen könnte man die PHILIPS-Serie P 84 000 F mit der 7MW 500er-Serie von ELECTROLA vergleichen. Im Unterschied zu ELECTROLA gab es aber bei PHILIPS ländermäßig spezifisch kurzfristige Zwischenserien (384 000 für D, 300 000 und 301 000 für andere Länder). Die endgültigen länderspezifischen Serien wie 344 000, 321 000 etc. (als 78er 44 000, 21 000 etc.) wären dann mit der 17-8500-Serie von ELECTROLA zu vergleichen. Irgendwann lief in der Folge die 78er-Serie aus und die 45er-Serie ging weiter und erreichte mit der Zeit 346 000, womit ich auch deine Vermutung bestätigen will.

Eines muß ich bei deiner Theorie korrigieren, die 384 000-Serie wurde durch die 344 00-Serie ersetzt, die gab es dann nicht mehr. Wenn man aber eine 384 000er nochmals auf den Markt bringen wollte wurde die Nummer nicht mehr geändert, lediglich das Label-Logo war dann der Zeit entsprechend. Dass 384 500 ab 1968 verwendet wurde hat mit der 384 000-Serie sicherlich nichts zu tun.
Ich hoffe, ich konnte vorerst zu einigen wichtigen Fragen Stellung nehmen. Selbst für mich, der diese Cause nur bis 1962 abhandelt, ist es eine äußerst umfangreiche Angelegenheit.
Jetzt noch ein utopischer Wunsch: Es sollten die eindhovner Single-Listen im Forum auftauchen, das wäre eine Sensation und brächte uns Kilometer weiter. Das wird aber ein unerfüllbarer Wunsch an das Christkind bleiben
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Gerd
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Re: Philips Nummernvergabe

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Gepostet: 13.12.2012 - 21:05 Uhr  ·  #14
Hallo Gerd,

na, solange ich Dich schmunzeln und nicht heulen lasse, geht's ja noch! :lol:

Ich glaube, die überall störenden Lücken bei Philips liegen mehr in unserem Wissen als im System der Firma. Es gibt keinen Anlaß, etwas anderes anzunehmen, als daß die Nummern in Eindhoven in jedem Block eine nach der anderen vergeben wurden, ohne absichtlich Lücken zu lassen (von solchen offensichtlichen Ausnahmen wie der abgebrochenen und später neu gestarteten 384000er Serie mal abgesehen). Höchstwahrscheinlich gibt es wie bei jeder anderen Firma auch ab und zu Platten, die kurz vor Erscheinen noch aus dem Verkehr gezogen wurden und dann eine echte Kataloglücke bilden, aber erfahrungsgemäß sind das nur wenige Prozent der Gesamtzahl.

Unser "Kummer" entsteht vielmehr dadurch, dass die Philips-Blöcke nicht nach dem Vertriebsgebiet der Platte (wie bei HMV-Electrola) oder nach der Sprache der Aufnahme aufgeteilt waren, sondern offenbar nach dem Aufnahmestudio (bzw. bei Übernahmen nach der Quell-Firma). Auch bei den 7-stelligen Phonogram (Philips+Polydor) Nummern ab 1970 bleibt das so, also hatte es sich offenbar bewährt. Das hatte für die Firma den Vorteil, dass man jede Platte nach Lust und Laune in jedem nationalen Katalog anbieten - oder halt auch weglassen - konnte, ohne dass man auf die Nummer weiter achtgeben mußte, und z.B. im Hamburger Studio auch bei Aufnahmen für den ausländischen Markt einfach die gängige Serie verwenden konnte und nicht etwa in jedem Einzelfall in Paris oder Athen anfragen mußte, welche Nummer denn "frei ist".

Für den Sammler ist das System deswegen unangenehm, weil jeder nationale Katalog (und die gab es angefangen von Holland und England über Südostasien bis nach Neuseeland) außer einer leidlich kompletten "einheimischen" Serie eine große Anzahl wild verstreuter Nummern international produzierter Aufnahmen enthält, ganz anders als etwa bei HMV-Electrola, wo normalerweise z.B. jede in D angebotene britische oder frz. Platte eine neue "deutsche" Nummer bekam. Um die Philips-Nummernserien ohne - oder mit wenigen - Lücken zusammenzupuzzeln, bräuchte man alle Kataloge und Prospekte aller Länder und Jahre: Ohne Verwendung der Eindhovener "Master-Kartei" wahrscheinlich unmöglich, die an einem Ort zusammenzutragen!

Übrigens hast Du mich, was den Übergang 384000 zu 344000 angeht, mißverstanden: Natürlich behalten die "alten" 384000er Titel auf Dauer ihre Nummer! Ich wollte nur ausdrücken, dass am Ende der Schellackzeit die neu dazukommenden Singles die ursprüngliche Schellack-Sequenz (3)44000 fortsetzen und nicht etwa die ursprüngliche Single-Sequenz (3)84000!

1968 wurden dann anscheinend nur noch hundert Nummern dieses in den 50ern aufgegebenen Blocks nachgereicht, jedenfalls finde ich diese "späten" 384000er nur im Bereich 384500 bis 384599.

Es bleibt spannend!

Chris
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Re: Philips Nummernvergabe

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Gepostet: 22.12.2012 - 19:46 Uhr  ·  #15
Für die Nummernserie 320 150 BF gibt es neue Erkenntnisse. Diese Serie begann bereits mit 320 100 BF, war aber vorher nur für Norwegen gedacht. Genaueres siehe hier (links klicken).
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Gerd
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Re: Philips Nummernvergabe

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Gepostet: 23.12.2012 - 01:38 Uhr  ·  #16
Hallo Gerd,

Ich hab auch was Neues bezgl. der frühen 84000er Serie (im Moment ohne Scan, kann ich bei Interesse nachreichen, ist aber musikalisch unerheblich fürs Forum):

P 84052 wird zu - na? - nein Gerd, nicht 384052, sondern 301009 ! Also ist es Essig mit der schönen Theorie "Papp eine Drei davor, und schon stimmt's wieder".

Grund: Es ist eine Wiener Aufnahme, die man tatsächlich fein säuberlich aus dem deutschsprachigen P 84er Block herausoperiert hat, als der zum in Deutschland aufgenommenen 384er Block umgewidmet wurde! Ob es dadurch einfach gar keine 384052 gegeben hat, oder ob die Nummer mit anderen Titeln neu belegt wurde, weiß ich noch nicht.

Anderes Thema - 1967-1968 geht's so richtig kreuz und quer bei der dt. Philips: Außer 346000 und 384500 taucht auch noch 388000 auf - auf manchen Hüllenrückseiten sind neue Scheiben aus allen drei Serien beworben, also wurden sie wohl nebeneinander her benutzt und nicht brav eine nach der anderen. Ob uns wohl der Weihnachtsmann verrät, was das alles soll? Haben etwa die Philipsianer im Summer of Love die wohltuende Wirkung gewisser Rauchkräuter für sich entdeckt und sahen ihre Kartei etwas verschwommen....?

Chris
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Re: Philips Nummernvergabe

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Gepostet: 03.11.2013 - 11:18 Uhr  ·  #17
Hallo Chris!
Verzeih mir die späte Antwort, aber ich habe deinen Beitrag erst jetzt ganz zufällig entdeckt.
Als Einleitung zu meiner Stellungnahme ein Teil meiner bereits gemachten Ausführungen:
Zitat
Ab etwa Ende 1954 wurde die getrennte Nummerierung eingeführt, aber vorerst nur mit 300 bzw 301, maßgeblich war dann die vierte Zahl, für Österreich zum Beispiel 300 200 sowie 301 000. Deutschland wurde eigenartigerweise in dieses System nicht einbezogen, bei deutschen Produktionen setzte man ganz einfach eine 3 vor die 84
Beispiel: aus P 84 047 F wurde 384 047 PF

Daraus geht deutlich hervor, dass das Prinzip "P 84 zu 384" nur bei deutschen Produktionen angewandt wurde und nicht bei niederländischen, amerikanischen, österreichischen etc. Die nicht-deutschen Produktionen erhielten bereits die differenzierten Länder-Präfixe (erste System-Änderung).
Als Beispiel zwei österreichische Produktionen:
01 54....P 84 044 F....Wiener Staatsopernorchester, Leitung: Max Schönherr..Wein, Weib, Gesang/Rosen aus dem Süden (dann 301008)
01 54....P 84 045 F....Wiener Staatsopernorchester, Leitung: Max Schönherr..Künstlerleben/Wiener Blut (dann 301009)
Um das ganze nicht zu einfach werden zu lassen, die 78er-Nummerierung wurde vor der Umnummerierung auch noch für die 45er verwendet.

Die P 84 052 F würde mich interessieren, da die alte Nummer vor 301 009 nach meinen Aufzeichnungen P 84 045 hieß. Da es sich bei diesem Thread um das Platten-Label und seine Vorgangsweisen handelt, wäre die musikalische Seite nachrangig. Es wäre daher nett, wenn du deine 84052er hier posten könntest.
Die Daten für 384 052 schauen bei mir übrigens so aus:
07 56....384 052 PF....Die "Wikinger", Großes Blasorchester, Ltg.: Hermann Schäfer..Kornblumenblau/Die "Wikinger", Großes Blasorchester m. Männerchor, Ltg.: Hermann Schäfer..In München steht ein Hofbräuhaus

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Gerd
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Re: Philips Nummernvergabe

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Gepostet: 03.07.2014 - 17:36 Uhr  ·  #18
Im September werden es bereits sechs Jahre sein, dass ich Mitglied dieses Forums bin und mein Einstieg erfolgte als eine "Antwort" in diesem Thread. PHILIPS war also praktisch mein Schicksal.
Ich habe damals versucht ein wenig Licht in die Sache zu bringen. Seither sind natürlich eine Menge neuer Erkenntnisse dazu gekommen und die eine oder andere Schlußfolgerung musste revidiert werden, wie das bei lebendiger Forschungstätigkeit auch sein soll. Im Zuge dieser Recherchen hat sich auch eine Partnerschaft mit dem Forumsmitglied vesalia gebildet. Durch den intensiven Einsatz von vesalia konnte vieles noch zusätzlich aufgeklärt werden. Wir konnten beispielsweise die Umstellung von Schellack auf 45 RPM-Singles der deutschen PHILIPS mehr oder weniger abschließen (links klicken). Zum Weiterforschen bleibt trotzdem noch genug übrig.
Als Fortsetzung meines Forums-Einstieges haben wir uns jetzt an die Nummernvergabe von PHILIPS herangemacht, da meine seinerzeitige Liste nur einen groben Überblick über die wichtigsten Daten in relativ kurzer Zeit bringen sollte. vesalia hat dazu im Excel-Format zwei Listen erstellt, wobei die eine nach Länder (bzw. Label) und die andere nach Bestell-Nummern gereiht ist. Die Listen bringen einen ziemlich umfassenden Überblick über die von PHILIPS verwendeten Nummern mit Bedeutungs-Erklärung. Es wäre aber vermessen zu glauben, damit wäre alles abgeschlossen. Es könnten beispielsweise noch weitere kurzlebige Nummern-Varianten auftauchen wie jene, die wir rein zufällig entdeckt haben (links klicken). Vielleicht wurde die von chrisz78 angeführte Serie 331 000 mit chinesischer Musik genau wie diese Jazz-Musiker aus Südamerika ebenfalls in Deutschland produziert. Leider konnte ich darüber keinerlei Hinweise finden.
Wie ihr wisst, reichen meine Daten nur bis 1962, die Daten von vesalia gehen aber darüber weit hinaus und daher hat er sie auch in die Listen eingebaut.
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Gerd
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Re: Philips Nummernvergabe

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Gepostet: 23.12.2017 - 21:09 Uhr  ·  #19
Zitat geschrieben von Gerd Miller
Hallo ich bin neu und habe mich endlich getraut bei euch einzusteigen.
Mut haben mir die Philips Bestellnummern gemacht, deren Bedeutung im Bindig Katalog stehen sollen. Da paßt aber Einiges nicht.
Die ersten 3 Zahlen der Bestellnummer geben nämlich immer das Aufnahmeland oder das Label an.
321 bis 322 bedeutet USA-Aufnahmen (normalerweise COLUMBIA/USA). 320 gibt es erst ab ca. 1962 und bedeudet nichts anderes als Aufnahmen des ABC-PARAMOUNT-Labels. Ich werde versuchen eine Tabelle mit diesen Schlüsselzahlen zu erstellen. Es wird aber ein bißchen dauern. Vorab noch einige wichtige Schlüsselzahlen 344 345 = Deutschland, 341 = Österreich, 326 = Großbritannien u.s.w. Die Nummern wurden in Eindhoven vergeben und galten für ganz Europa (z.B. eine finnische Philips mit einer deutschen Aufnahme hat genauso 345 wie wo anders). Nur die Briten sind aus der Reihe getanzt und hatten eine eigene Bestellnummer. Trotzdem ist auf jeder britischen Philips auch die "Eindhovener" Nummer drauf.
Das war es vorerst, Grüße aus Wien
Gerd
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