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22   Februar   2018
Titel (Kategorie) Datum (Zeit) Termin endet am (Zeit) Autor
 BILLY STRANGE (Künstler Todestage)  2018-02-22   2018-02-22 
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BILLY STRANGE

aus: Basler Zeitung von Jan Derrer

Seinen Namen kannte niemand, seine Musik alle – nun ist Billy Strange tot. Als Gitarrist und Arrangeur war er verantwortlich für Hits von Frank und Nancy Sinatra, Elvis Presley, Nat King Cole und den Beach Boys.






«Mein Herz ist in Trümmern», twitterte Nancy Sinatra, als sie gestern von Billy Stranges Tod erfuhr. Der Gitarrist, Arrangeur und Songschreiber starb im Alter von 81 Jahren in Nashville. Strange spielte die Gitarre auf Nancy Sinatras «Bang Bang». Als Arrangeur arbeitete er mit Nancy Sinatra und Lee Hazlewood zusammen. Es entstanden Meilensteine der Popkultur wie «Some Velvet Morning», «Summer Wine» und «These Boots Are Made for Walkin'». Strange schrieb auch das Arrangement für das Duett «Something Stupid» von Frank und Nancy Sinatra.

Als Songschreiber war er unter anderem für Elvis Presley tätig. Zusammen mit Mac Davis schrieb er 1968 «Memories» und «A Little Less Conversation». Während «Memories» ein Hit wurde, geriet «A Little Less Conversation» in Vergessenheit. Dank eines Remixes kam der Song 2002 weltweit in die Hitparaden. Bevor Billy Strange ein gefragter Arrangeur und Produzent wurde, war er in den 1950er- und 60er-Jahren in Los Angeles einer der gefragtesten Studiogitarristen. Er spielte unter anderem für Elvis, die Beach Boys, Wanda Jackson, Nat King Cole und Starproduzent Phil Spector.


Ein Kind der Wirtschaftskrise

Als Billy Strange am 29. September 1930 in Long Beach in Kalifornien auf die Welt kam, herrschte Wirtschaftskrise, die USA litten unter der Grossen Depression. Auch seine Eltern George und Billie Strange waren von Armut betroffen. Zur Schule ging er fast nie. Was es zu lernen gab, lernte er von seinem Vater, der auf dem lokalen Radiosender KFOX eine eigene Country-Sendung hatte, in der auch die Mutter auftrat. Das Einzelkind Billy wurde als kleiner Junge ebenfalls Teil der Show. Die kalifornische Countrymusik, unter deren Einfluss Billy aufwuchs, war viel raffinierter als Nashville-Country. Sie verarbeitete vielseitige Einflüsse aus Swing, Blues und Big-Band-Musik zu einem eigenständigen Genre.

Mit 16 ging Billy zum ersten Mal auf Tournee als Sänger und Gitarrist. Wenn die Erwachsenen zu betrunken waren zum Fahren, übernahm er das Steuer des Tourbusses, obwohl er noch keinen Fahrausweis hatte. Billy spielte mit Country-Stars wie The Sons of the Pioneers, Roy Rogers, Spade Cooley, Smoky Rogers und Tex Williams, aber er begleitete auch Jazz-Legenden wie Count Basie und Lionel Hampton. In den Fünfzigerjahren nahm ihn der Country-Impressario Cliffie Stone unter seine Fittiche und vermittelte ihm eine Plattenvertrag mit Capitol. Er nahm alle damals gängigen Musikstile auf: Country, Western Swing, Balladen, Rockabilly und Rock 'n' Roll – den grossen Durchbruch als Solostar schaffte er jedoch nicht.

Kraftvolles Gitarrenspiel

Singer-Songwriter Jonmark Stone, der für Billy Strange gearbeitet hat, vergleicht ihn mit der Filmfigur Forrest Gump. So wie Gump bei allen historischen Weltereignissen dabei war, war Billy Strange Teil aller Schlüsselszenen der amerikanischen Popmusik. Er erlebte das Sterben der Big-Band-Ära, den Siegeszug des Rock 'n' Roll. Er war Zeuge, als Musik plötzlich nicht mehr live am Radio und Fernsehen gespielt wurde, sondern ab Schallplatte und Playback. Er war dabei, als Les Paul in seiner Werkstatt in Los Angeles den Prototyp der legendären Gibson Les Paul herstellte. Seine Erfahrung als Gitarrenspieler liess Fender in die Entwicklung neuer Gitarren einfliessen. Henry Mancini, der Komponist des «Pink Panther»-Themas war sein Nachbar und gab ihm wertvolle Tipps fürs Komponieren und Arrangieren. Er war dabei, als Elvis sich Ende der Sechzigerjahre noch einmal kurz aufbäumte und ein letztes Mal brauchbare Songs aufnahm.
Billy Stranges Instrumental-Alben waren ein wichtiger Teil der Easy-Listening-Welle. Er spielte Gitarren-Versionen der gerade aktuellen Hits ein. Seine Aufnahmen mit der akustischen zwölfsaitigen Gitarre lösten einen regelrechten Boom dieses Instrumentes aus. Als die Teenager nach immer neuem Surf-, Beat- und Rock-Nachschub verlangten, sorgte Billy Strange in den Tonstudios von Hollywood mit seinem kraftvollen Gitarrenspiel für den richtigen Groove. Die Popmusiker der Sechzigerjahre zierten oft nur das LP-Cover, an den Instrumenten sassen Country- und Jazz-Musiker der Spitzenklasse, die in drei Stunden eine Langspielplatte live einspielen konnten. Die Pop- und Rocksongs, denen er mit seiner Gitarre den nötigen Drive gab, bedeuteten ihm nicht viel. Sein grösstes Vorbild war die Gitarristen-Legende Django Reinhardt. «Die Surfmusik und all das Zeugs, das war keine Musik für den Kopf», meinte er, «das machte ich einfach fürs Geld.» Und sowieso waren ihm Balladen lieber. Respekt hatte er nur für einige Ausnahmetalente wie Frank Sinatra und Elvis Presley übrig.

Spätes Liebesglück

In den Fünzigerjahren war Billy Strange in die Sängerin Jeanne Black verliebt. Sie traten zusammen regelmässig live in der TV-Show «Hometown Jamboree» auf und er begleitete sie bei Schallplattenaufnahmen für die Plattenfirma Capitol auf der Gitarre. Black stammte aus einem religiösen Elternhaus und ihre Eltern schätzten den Umgang mit Billy Strange überhaupt nicht. Kein Wunder, denn er trank gerne und war als Frauenheld bekannt.

1963 verloren sie sich aus den Augen. Erst 30 Jahre später trafen sie sich wieder und heirateten. Sie zog zu ihm nach Nashville. Zusammen schwelgten sie gerne in Erinnerungen. Wenn er von ihr und ihrer Vergangenheit sprach, blühte er auf. All die grossen Stars, die Auszeichnungen, die Hits – sie verblassen hinter der Liebe seines Lebens.

Schwere Krankheit

Als ich 2009 ein längeres Videointerview mit Billy Strange führte, war er schon schwer krank. Unter anderem hatte er Probleme mit den Lungen und war auf Sauerstoff angewiesen. Trotzdem rauchte er unermüdlich weiter. Gitarre spielen konnte er nicht mehr, seine Finger waren zu schwach. Obwohl sein Körper gezeichnet war von harter Arbeit und ungesundem Lebensstil, war er geistig noch sehr wach. Billy Strange hinterlässt neben Jeanne Black, seiner dritten Frau, vier erwachsene Kinder.

(baz.ch/Newsnet)

 

 


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