The Shadows - eine Biographie Teil 1

The Shadows - eine Biographie Teil 1

Benutzer: bluschke
Bild: The Shadows - eine Biographie Teil 1
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Verfasst am: So Jan 04, 2009 4:03 pm
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Bildbeschreibung: The Shadows - eine Biographie
Teil 1


Mit freundlicher Erlaubnis aus:
Reflections 04/08


Text: Ulrich Sasu

Im Oktober 1958 machten die Kalin Twins, die gerade mit 'When' einen Nr. 1 Hit hatten, eine England-Tournee, bei der im Begleitprogramm ein bis dahin noch recht unbekannter junger Sänger namens Cliff Richard auftreten sollte. Dieser hatte zwar mit Terry Smart, Norman Mitham und Ian Samwell eine eigene Band, allerdings war wohl der Manager der Meinung, dass die Musiker den Anforderungen nicht mehr genügen würden.

Eigentlich sollte für die Sologitarre Tony Sheridan verpflichtet werden, aber der war in der berühmten Coffee Bar 'Two I's' nicht aufzutreiben. Stattdessen entdeckte man dort einen anderen jungen Gitarristen, der neben einer äußeren Ähnlichkeit zu Buddy Holly auch dessen Songs perfekt nachspielen konnte: Hank Marvin (* 28.10.1941 in Newcastle/England). Gefragt, ob er als Begleitung an der Tournee teilnehmen wolle, stimmte er unter der Bedingung zu, dass sein Freund und Schulkamerad aus Newcastle Bruce Welch (* 2.11.1941 in Bognor Regis/England) ebenfalls engagiert würde. Damit hatte Cliff Richards Band "The Drifters" die Besetzung Hank Marvin (Sologitarre), Bruce Welch (Gitarre), Ian Samwell (Gitarre) und Terry Smart (Schlagzeug).

Im Programm der Tournee waren auch die Most Brothers, die in ihrer Band den Bassgitarristen Jet Harris (* 6.7.1939 in Kingsbury/England) und den Schlagzeuger Tony Meehan (* 2.3.1943 in London) hatten. Die Drifters waren insbesondere vom Können des damals hell blondierten Jet Harris beeindruckt, der zudem einer der ersten, wenn nicht gar der erste war, der in England einen Elektrobass spielte.
Nach Beendigung der Tournee schieden Ian Samwell und Terry Smart bei den Drifters aus und wurden durch Jet Harris, der während der Tournee bereits mehrfach die Drifters verstärkt hatte, und Tony Meehan ersetzt.

Die Ur-Shadows Marvin, Welch, Harris und Meehan prägten die englische und damit auch die gesamte europäische Musikszene in einem heute kaum nachvollziehbarem Maße. Die Besetzung Solo-, Rhythmus-, Bassgitarre und Schlagzeug wurde von ihnen so populär gemacht, dass sie als Standardbesetzung galt, neben zahllosen anderen Gruppen auch für die Beatles.

Das musikalische Können der Vier war für Cliff's Produzenten Norrie Paramor so beeindruckend, das die Drifters unter eigenem Namen einen Vertrag erhielten und im Januar 1959 ihre erste eigene Single 'Don't Be A Fool With Love' / 'Feelin' Fine' herausbrachten. Die beiden Gesangstitel hinterließen weder beim Publikum noch in den Plattenläden einen nennenswerten Eindruck, obwohl das Potenzial doch so hoch eingestuft wurde, dass die Single mit Folgen auch in den USA herausgebracht wurde.

Mit ihrer zweiten Single 'Driftin' und 'Jet Black', zwei Instrumentalaufnahmen, betraten die Drifters im Juni 1959 wiederum Neuland. Instrumentaltitel waren bis dahin die Domäne von Bigbands und Orchestern, undenkbar für 'nur' vier Instrumente. Aber auch hier blieb der kommerzielle Erfolg aus.

In den USA hatte inzwischen die dort seit einigen Jahren erfolgreiche Gesangsgruppe The Drifters Widerspruch gegen die Benutzung 'ihres' Namens eingelegt, weshalb die zweite Single unter dem Namen The Four Jets veröffentlicht wurde. Allerdings musste jetzt ein neuer Bandname her, da man erstens auf den amerikanischen Markt nicht verzichten wollte und weiterhin Namenskonflikte auch in Europa zu befürchten waren.

Jet Harris hatte die zündende Idee für den neuen Bandnamen The Shadows, der ab Oktober 1959 bis heute seine Gültigkeit behalten hat.

Bei der nächsten Single, nun als The Shadows, handelte es sich wiederum um zwei Gesangstitel, 'Saturday Dance' und 'Lonesome Fella', auch hier war nur ein sehr mäßiger Verkaufserfolg zu verzeichnen.

Während einer Konzerttournee mit Cliff spielte ihnen der ebenfalls auftretende Sänger und Komponist Jerry Lordan auf seiner Ukulele einen Instrumentaltitel vor, den er zuvor bereits dem englischen Gitarristen Bert Weedon angeboten hatte. Der hatte ihn auch schon eingespielt, allerdings war eine Veröffentlichung noch in Frage gestellt. Die Shadows jedenfalls waren von Jerry Lordans Komposition be-geistert. Beim nächsten Studiotermin am 17. Juli 1960 wurde "Apache" eingespielt. Der Produzent Norrie Paramor musste allerdings erst noch von der Verkaufsqualität überzeugt werden, er wollte 'Apache' eigentlich auf die Rückseite der Single verbannen. Glücklicherweise verließ er sich auf das Gespür seiner beiden Töchter im Teenageralter.

'Apache' war der Beginn einer Erfolgsstory, die bis heute andauert. Im August vertrieben die Shadows ihren 'Boss' Cliff Richard von Platz 1 der englischen Hitparade und verteidigten diese Position fünf Wochen, selbst Elvis Presley musste sich mit Platz 2 zufrieden geben.

Bei ihrer nächsten Single 'Man Of Mystery' gewann Elvis Presley zwar mit 'It's Now Or Never' den Kampf um die Spitze der Hitparade, die Shadows aber waren aus dem Schatten von Cliff Richard herausgetreten. Sie begleiteten ihn weiterhin bei seinen Plattenaufnahmen auf auf den Tourneen, betrieben aber eine eigene, unabhängige Karriere als Instrumentalband.

Erneut schafften die Shadows ein Novum: die vier Musiker waren nicht nur als Kollektiv bekannt, jeder Einzelne von ihnen hatte seine eigenen Fans. Man kann die Band eigentlich als erste Boygroup der Welt bezeichnen.

Der unverwechselbare Shadows-Sound, der ohne Zweifel von der oft zitierten Kombination von Hank 's Fender Stratocaster mit Vox-Verstärker und Meazzi-Echogerät bestimmt wurde, war jedoch das Zusammentreffen von vier Musikern, von denen Jeder seinen Anteil am Erfolg hatte: das unnach-ahmliche Gitarrenspiel von Bruce Welch, das schon manchen Rhythmusgitarristen zur Verzweiflung gebracht hat; die Bassgitarre von Jet Harris, deren Spielweise er mangels Vorbildern selbst entwickeln musste; das solide und gleichzeitig innovative Schlagzeug von Tony Meehan; die Fähigkeit von Hank Marvin, die Kombination von E-Gitarre mit Verstärker und Effektgeräten zu neuen Klangbildern zu nutzen. Für zahlreiche andere Musiker, von denen hier nur Eric Clapton, Pete Townsend und Mark Knopfler genannt seien, waren die Shadows der Anstoß, das Gitarrenspiel aufzunehmen.

Musikalisch bewegte sich die Gruppe auf einer endlos erscheinenden Erfolgsstraße. Die nächsten beiden Singles, 'F.B.I.' und 'The Frightened City', schafften ebenfalls die Top Ten. Das folgende 'Kon-Tiki' verschaffte den Jungs den zweiten Chart-Topper. Die Single 'The Savage' wurde ohne Einverständnis der Shadows herausgebracht, wohl um an den Erfolg des Films 'The Young Ones' anzuknüpfen, den sie mit Cliff Richard gedreht hatten. Vielleicht erreichte sie deshalb 'nur' Platz 10. Alle Zweifel wurden jedoch mit 'Wonderful Land' beseitigt, das wieder an die Spitze der Hitparade stürmte und diese 6 Wochen hielt.

Im Herbst 1961 wurde die erste Langspielplatte 'The Shadows' herausgebracht, fast selbstverständlich eine Nr. 1. Sie schaffte es, ohne Unterbrechung 57 Wochen in den Charts zu bleiben, ein heute kaum vorstellbarer Dauerbrenner.

Ebenfalls im Herbst 1961 verließ Tony Meehan und kurz darauf im Frühjahr 1962 Jet Harris die Gruppe. Was für viele andere Bands sicherlich das Aus bedeutet hätte, konnte der Popularität der Shadows keinen Abbruch tun. Mit Brian Bennett (* 9.2.1940 in London) am Schlagzeug und Brian Locking (* 22.12.1940 in Bedworth) an der Bassgitarre wurden Musiker gefunden, die die entstandenen Lücken mehr als schließen konnten.

Nach 'Guitar Tango' folgten mit 'Dance On' und 'Foot Tapper' zwei weitere Nr. 1 Hitparadenerfolge. Auch ihre zweite LP, bezeichnenderweise 'Out Of The Shadows' betitelt, erreichte die Spitze der Charts und wurde 38 Wochen gelistet.

(Jet Harris brachte mit achtbarem Erfolg zwei Solo-Singles heraus bevor er mit Tony Meehan ein Duo bildete, das pikanterweise mit ihrer Single 'Diamonds' das 'Dance On' der Shadows von Platz 1 der Charts verdrängen konnte. Zwei weitere Top Ten-Hits folgten, bevor sich das Duo infolge eines Autounfalls von Jet Harris wieder trennte.)

Ende 1963 stieß John Rostill (* 16.6.1942 in Birmingham) als neuer Bassist zu den Shadows, da Brian Locking die vielen Live-Auftritte zu viel geworden waren.

Obwohl sich die Musikszene ab 1963 durch das Aufkommen der zahlreichen Bands im Gefolge der Beatles stark veränderte, konnten die Shadows zunächst noch ihre Position behaupten. Ihre Singles kamen weiterhin in die Top Twenty, und obwohl sie keine Spitzenpositionen mehr erreichten, waren sie aus der englischen Musikszene zunächst nicht wegzudenken.

Anders als bei den Singles, deren Verkaufszahlen im Laufe der Jahre doch zurückgingen, waren die Langspielplatten der Shadows weiterhin erfolgreich. Sie kamen alle unter die Top Ten.

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